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Tourismus Auf Rollstuhlfahrer eingestellt

Rahel Arnold

HORUMERSIEL - Zum Gehen kann Heinz Schuster seine Beine nicht mehr benutzten, denn sie würden ihn nicht tragen. Seit zwei Jahren sitzt der 90-Jährige im Rollstuhl. Vorher habe er zumindest noch kurze Strecken an Krücken bewältigt, berichtet er. Auf einen Urlaub an der Nordseeküste will der Bremer aber trotzdem nicht verzichten. Deshalb ist er mit seiner Frau Helga für eine Woche zu Gast im Hotel „Leuchtfeuer“ der Familie Krar in Horumersiel.

Helga Schuster schiebt ihren Mann vom Hotelzimmer in den Frühstücksraum. Das geht problemlos: Es gibt keine Stufen, keine Ecken und Winkel, keine engen Türen und auch keinen schwer befahrbaren Bodenbelag. Zum Glück, denn so hat das Ehepaar Schuster ein Stück persönliche Freiheit zurückgewonnen. Im Hotel „Leuchtfeuer“ ist so ein Urlaub möglich, der die Schusters den Alltag vergessen lässt.

An Bedürfnisse angepasst

Zu Hause kümmere sich ein Pflegedienst regelmäßig um ihren Mann, berichtet Helga Schuster. Im Urlaub schaffe sie es selbst. „Es gefällt uns hier sehr gut, denn hier ist alles auf meine Bedürfnisse angepasst und bestens ausgerüstet“, ergänzt Heinz Schuster.

Mit „alles“ meint er die besonderen baulichen Merkmale des Hotels und den Service, den die Hotelleitung behinderten Menschen anbietet.

Das Hotel liegt im Ortskern von Horumersiel und verfügt insgesamt über 24 Doppelzimmer, sieben Familienstudios mit zwei Schlafzimmern, drei Suiten und sechs Appartements. Davon werden durchschnittlich rund sieben Zimmer für Gäste mit Behinderungen genutzt, sagt Hotelchef Mario Krar.


Der Hoteleingang ist ebenerdig befahrbar, es gibt einen großen Fahrstuhl und die meisten Türen sind ausreichend breit für Rollstühle. Vom Parkplatz bis in die Zimmer kommen die Gäste, ohne auch nur eine Stufe überwinden zu müssen. In den Zimmern ist auch die Dusche ebenerdig und frei befahrbar, an der Toilette und in der Dusche gibt es Haltegriffe. Die Lichtschalter sind in 1,20 Metern Höhe angebracht – vom Rollstuhl aus bequem zu erreichen.

Pflegebetten, ein Duschrollstuhl, ein Toilettenstuhl und andere Hilfsmittel können auf Anfrage bereitgestellt werden. „Auch ein Pflegedienst kann sich im Haus um die Gäste kümmern, wenn das gewünscht ist“, sagt Hotelchef Mario Krar. Zudem gebe es eine gute ärztliche Versorgung.

Das Hotel wurde bei seinem Bau vor 14 Jahren schon so konzipiert, dass es auch für gehbehinderte Menschen geeignet ist: „Wer heute ein Hotel plant, ohne an Behinderte zu denken, plant kurzsichtig“, meint Krar. Für ihn gehört die Integration von Behinderten zum Standard. Rund 20 Prozent seiner Gäste seien gehandicapt. Zu den Gästen gehören sowohl Gruppen als auch Einzelpersonen mit unterschiedlichen Einschränkungen. Überwiegend sind sie aber gehbehindert, so Krar.

Horumersiel fast barrierefrei

Deshalb hat er sich viel einfallen lassen, um es seinen Gästen so einfach wie möglich zu machen, sich im Hotel frei zu bewegen. „Zurzeit arbeite ich daran, die fest installierten Haltegriffe in den Zimmern zurückbauen zu lassen und sie durch flexible abnehmbare zu ersetzten“, sagt er. Das habe den Vorteil, dass die Haltegriffe so in der Höhe individuell verstellbar seien und auch ganz abgebaut werden können, wenn sie nicht benötigt werden, sagt Krar.

Auch der Ort außerhalb des Hotels sei für Rollstuhlfahrer als Urlaubsort geeignet. In Horumersiel seien die Bürgersteigkanten abgesenkt und viele Strecken seien mit dem Rollstuhl zu bewältigen. „Die Barrierefreiheit erleichtert uns vieles“, sagt auch Helga Schuster.

Mit Blick auf die Rollstuhlfahrer hält Mario Krar die Infrastruktur außerhalb Horumersiels für verbesserungswürdig. Im Wangerland werde zwar im öffentlichen Nahverkehr ein so genannter Niederflurbus eingesetzt, aber es sei nicht gewährleistet, dass mit diesem Bus hin- und zurückgefahren werden könne.

„Wenn die Gäste Pech haben, können sie mit dem Bus nur eine Hinfahrt machen. Die Rückfahrt wird dann mit einem normalen Bus gefahren. Der hat einen engen und hoch angelegten Eingangsbereich – da können die Rollstuhlfahrer unmöglich einsteigen“, bedauert Krar.

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