Horumersiel - Das Ende des Tourismus’, wie wir ihn kennen – unter diesem Motto haben sich am Dienstag etwa 120 Teilnehmer zum Nordsee-Tourismustag in Horumersiel getroffen. Eingeladen hatte der Tourismusverband Nordsee, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Tourismusstruktur an der niedersächsischen Nordsee zu verändern.
Ziel des „Tourismusverband Nordsee“ ist die allgemeine Förderung des Tourismus’ im Verbandsgebiet.
Mitglieder des Tourismusverbands sind die Landkreise Friesland, Ammerland, Aurich, Cuxhaven, Leer, Wesermarsch und Wittmund; die kreisfreien Städte Emden, Wilhelmshaven und die Seestadt Bremerhaven; die Tourismusmarketinggesellschaften „Die Nordsee GmbH“ und „Ostfriesland Tourismus GmbH“; die Industrie- und Handelskammern Oldenburg, Ostfriesland-Papenburg und Stade für den Elbe-Weser-Raum sowie die Jade-Hochschule, Fachbereich Wirtschaft in Wilhelmshaven.
Bis Ende des Jahres geht der Tourismusverband ein Projekt an unter dem Titel „Initiierung eines Kooperationsnetzwerks der Zukunft am Beispiel der Urlaubsregion der niedersächsischen Nordsee“.
Auftragnehmer ist Saint Elmo’s Tourismusmarketing. Das Projekt wird vom Niedersächsischen Wirtschaftsministerium mit genau 56 833 Euro gefördert.
Ziele des Projekt s sind unter anderem: Förderung und Realisierung von gemeinsamen Aktivitäten und Maßnahmen zur Verbesserung des touristischen Angebotes Professionalisierung des Tourismusmarketings Förderung der ansässigen kleinen und mittleren Unternehmen; Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen Bündelung der Aktivitäten und Maßnahmen; Vermeidung von vorhandenen Doppel- oder sogar Mehrfachzuständigkeiten.
„Eigentlich geht es dem Tourismus an der Nordsee gut“, sagte Sven Ambrosy, Frieslands Landrat sowie Vorsitzender des Tourismusverbands. „Aber: Weitermachen wie bisher geht nicht. Denn wir verlieren an Marktanteilen.“ So stehe die niedersächsische Nordsee im großen Wettbewerb – und das liegt vor allem an drei Punkten:
Deutschland ist allgemein als urlaubsland beliebt
Aufgrund des demografischen Wandels nimmt die Reisereichweite ab – reisen innerhalb des Landes wird bevorzugt
Viele ehemalige beliebte Reiseziele auf der Welt werden immer gefährlicher.
„Diesem Wettbewerb müssen wir uns stellen“, betonte Ambrosy. Dazu holte sich der Verband Hilfe von außen: die Tourismus-Experten von „Saint Elmo’s Tourismusmarketing“ in Wien. Das Ziel: neue Strategien und Marken für den Tourismus an der Nordsee schaffen.
Anders und neu denken ist gefragt. Denn: „Wenn Marktanteile verloren gehen, dann steht man mit dem Rücken zur Wand“, stellte Projektleiter Martin Schobert klar. „Zwei Bundesländer und ein Fischhändler beanspruchen die Marke ,Nordsee‘, ebenso viele Marketingorganisationen streiten darum, den attraktiven Begriff ,Urlaub an der Nordsee‘ allein verwenden zu können.“
Sehnsucht nach Lokalem
Schobert weiß, was vielen Reisenden heute wichtig ist: „Die Menschen haben Sehnsucht nach Lokalem, nach dem Besonderen sowie nach persönlichen Begegnungen mit Menschen, die es tatsächlich nur an diesem Ort gibt.“ Das müsse viel mehr herausgestellt werden. „Diese neue Art und Weise, wie wir reisen, verändert touristische Geschäftsmodelle, Tourismusorganisationen und das touristische Angebot selbst“, sagte Schobert.
Der Weg zu etwas Neuem sei klar, die Frage sei nun aber, so Schobert und Ambrosy weiter, wie der Tourismusverband Nordsee das angeht: Wie kann alles innerhalb des Tourismusverbands organisiert werden? Wo sind gemeinsame Ziele? Wie und wo kann ein Kooperationsnetzwerk gebildet werden? Wie können Kräfte gebündelt werden? Mit diesen Fragen will sich der Tourismusverband nun im Rahmen des einjährigen Projekts mit „Saint Elmo’s Tourismusmarketing“ auseinandersetzen.
Förderung durchs Land
Gefördert wird das Projekt mit fast 57 000 Euro vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft. May-Britt Pürschel vom Wirtschaftsministerium betonte beim Tourmustag in Horumersiel, wie wichtig es sei, bestimmte Produkte stärker herauszustellen: „Stichwort Thalasso“, fiel ihr dazu ein. Aber auch innovative Übernachtungsmöglichkeiten, entwickelt von und für junge Menschen, seien wichtig. „Der Sprung in die Zukunft ist notwendig.“
Holger Heymann, Wittmunds Landrat und stellvertretender Vorsitzender des Tourismusverbands, sagte: „Der Schritt, ein solches Projekt anzugehen, ist sehr mutig. Aber auch absolut richtig.“
