Bad Zwischenahn - Um sich ein Bild davon zu machen, was Heike Thomas für eine Chefin ist, reicht ein Blick unter ihren Schreibtisch. Da steht es, ein rotes Paar Gummistiefel. „Damals stand nach heftigen Regenfällen das Wasser im Keller des alten Kurhauses“, lässt die Hoteldirektorin des „Haus am Meer“ in Bad Zwischenahn ihre Gedanken in Richtung Vergangenheit schweifen. „Da bin ich dann abends hin und habe das Wasser aus dem Keller geschöpft.“ Um für den etwaigen Fall der Fälle in Zukunft besser gerüstet zu sein, stehen seitdem die roten Gummitreter im Büro der 48-Jährigen.

Das ist typisch für die Hoteldirektorin. Sie ist eben keine Chefin, die sich ins Büro einschließt und Aufgaben delegiert: Die gebürtige Uelzenerin ist seit ihrem Einstieg bei dem bekannten Zwischenahner Haus im Jahr 2011 praktisch überall zu finden.

Eine LED-Leuchte in einem Flur muss ausgetauscht werden? Heike Thomas legt auch mal selbst Hand an. Im hoteleigenen Restaurant ist die Hölle los? Dann bringt die Chefin auch höchstpersönlich das Vitello Tonnato und die Kutterscholle an den Tisch. „Da bricht mir kein Zacken aus der Krone“, sagt sie. Ihr Credo: „Wenn ich das meinen Angestellten zumuten kann, dann auch mir.“

Nicht, dass sie ansonsten nicht ausgelastet wäre. „Da muss ich erst einmal länger ausholen“, lächelt Thomas auf die Frage, was denn nun alles in ihren Aufgabenbereich als Leiterin eines Hauses mit 143 Betten, 70 Angestellten und mehreren Sparten fällt – neben dem Hotel auch noch das Restaurant, das Alte Kurhaus und eine Bar. Einkauf, Personal, Ausbildung, Preisgestaltung, Marketing „oder eben auch mal die Blumen gießen“ – der Berg an Aufgaben ist dem der Verantwortung mindestens ebenbürtig.

Entsprechend groß ist die zeitliche Beanspruchung, die Thomas für ihre Omnipräsenz investieren muss. „Drei Wochen Urlaub habe ich insgesamt seit meinem Start hier 2011 gemacht“, zählt sie zusammen. „Das kann nur funktionieren, wenn man jeden Tag aufs Neue gerne zur Arbeit kommt“, sagt die 48-Jährige und kümmert sich dabei nebenbei kurz um die Frage eines Angestellten. Locker geht es zu, es wird gescherzt.


Je höher die Position, desto einsamer ist man, heißt es so schön. Davon kann bei Thomas allerdings keine Rede sein. „Meine zweite Familie“, sagt sie und meint ihr Team.

Zudem merkt man der Neu-Ammerländerin ihre Faszination für ihren Beruf an. Beispielsweise, wenn sie auf ihrem iPad Bilder aus anderen Hotels zeigt. Jedes Foto ist dabei eine neue Idee, die unter Umständen auch im „Haus am Meer“ umgesetzt werden könne, schildert Thomas. Und Fotos hat sie unzählige. Dabei wollte sie anfangs eher ins Bildungswesen. „Grundschullehrerin, oder in den Kindergarten“, sagt sie.

Ein Onkel riet ihr dann zum Einstieg ins Hotel- und Gaststättengewerbe. Mit Erfolg. Nach einer Ausbildung in Bad Bevensen und dem Besuch der Hotelfachschule in Hannover landete Thomas 1989 schließlich in Göttingen, wo sie im „Freizeit Inn“ vornehmlich für den Einkauf zuständig war. 2011 kam schließlich das Angebot aus dem Ammerland, und Heike Thomas griff zu.

Nur ab und an, „wenn ich einen Rappel bekomme“, setzt sich Heike Thomas in den Zug und löst ein Ticket nach Göttingen, wo auch ihr Freund wohnt und ihr Freundeskreis versammelt ist. Ansonsten aber ist sie im Zwischenahner Hotel zu finden – im Büro, beim Mitarbeitergespräch oder einfach nur beim Blumengießen.