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Tourismus Hotelschiff mit Flair der 30er Jahre

Söhnke Möhl Norbert Wahn

Bremen/Oldenburg - Viele Spaziergänger bleiben auf der Bremer Weserpromenade Schlachte stehen und bestaunen die Motorjacht „Nedeva“. Majestätisch liegt sie da. Das frisch restaurierte Holzboot aus dem Jahr 1930 zieht dort seit einigen Monaten mit seiner klassischen Form Blicke auf sich. Früher vergnügte sich amerikanischer Geldadel auf der 23 Meter langen Jacht, die für den Bankier Edward Townsend Stotesbury in New York gebaut worden war.

Der Bremer Unternehmer Georg Papp hatte die „Nedeva“ vor ein paar Jahren im Hafen von Westport im US-Bundesstaat Washington unter ihrem zwischenzeitlichen Namen „Shorleave“ entdeckt. „Sie war in einem sehr schlechten Zustand“, sagt der 58-Jährige, der vor vielen Jahren in Bremen Schiffbauer gelernt hatte und jetzt eine Werbeagentur betreibt.

Teak und Mahagoni

Die Jacht hatte zuvor unter anderem als Unterkunft und Transportmittel für Archäologen nach der „Exxon-Valdez“-Katastrophe in Alaska gedient. Der letzte Eigner hatte mit dem Boot zahlende Gäste zu Angelfahrten mitgenommen. Entsprechend sah es aus.

Papp zeigt Fotos: Fensterrahmen und Türen verrottet, Schimmel unter Deck, Ventile kaputt, Tanks durchgerostet. „Aber der Rumpf war in Ordnung“, sagt der drahtige Bremer. Sonst hätte er es nicht gewagt, die Jacht 2010 nach Deutschland zu überführen. Ein Teil der Strecke legte die „Nedeva“ aus eigener Kraft zurück, über den Atlantik ging es als Decksladung auf einem großen Frachtschiff bis nach Eemshaven in den Niederlanden.

Dort wurde die „Neveda“ dann umgeladen, über den Küstenkanal und von dort aus weiter nach Bremen überführt.

Der Kauf für etwa umgerechnet knapp 50 000 Euro und der Transport für etwa 120 000 Euro waren im Vergleich zur Restaurierung noch die kleineren Posten. Papp wusste ungefähr, was auf ihn zukam, er hatte 2006 bereits eine andere klassische Motorjacht, die „Nan“ aus Seattle geholt. Das Boot liegt heute in Bremen Nord an der Lesum. „Mit der Motorjacht liegen ich vor allem gerne am Stau in Oldenburg. Das hat Atmosphäre“, sagt Georg Popp.

Wer die aus Teak und Mahagoni gebaute „Nedeva“ (ein Kunstwort aus den Spitznamen des Ehepaares Stotesbury) betritt, macht eine Zeitreise. Die Salons an Deck sind bis auf Details original ausgestattet und vermitteln einen Eindruck vom Ambiente, im dem Stotesbury seine illustren Gäste aus den reichsten Familien der USA empfing.

Erste Hochzeit

„Früher haben viele Eigner ihre Jacht als Wohnraum angesehen“, sagt Papp. Stotesbury habe häufig Geschäftsreisen an der Ostküste mit dem Boot zurückgelegt. Unter Deck sind die insgesamt fünf Kabinen mit dem Luxus der damaligen Zeit ausgestattet, einschließlich dreier Bäder und einer Wanne.

Ein Zugeständnis an den aktuellen Zweck des Bootes, nämlich als Veranstaltungsort und Hotel zu dienen, ist die neue Küche. „Man kann auf dem Schiff auch übernachten“. so Papp. Dazu stehen Kabinen für elf Personen zur Verfügung.

Er führt gerade Gespräche mit verschiedenen Hoteliers und Agenturen, die die „Nedeva“ für Veranstaltungen anbieten möchten. Auch Trauungen mit anschließender Feier und Hochzeitsnacht sind möglich, der Standesbeamte kommt an Bord. Das erste Paar gab sich am 17. August das Ja-Wort auf der Jacht. „Wir hatten auch schon die ersten Gruppen aus Oldenburg und Delmenhorst an Bord und wollen Fahrten nach Oldenburg und Bremerhaven anbieten“, erklärt der 58-Jährige.

Jachten wie die „Nedeva“ hatten in den 20er und 30er Jahren ihre Blütezeit, sagt der verantwortliche Redakteur des Motorbootmagazins „Wassersport“, Christian Schneider. Sie heißen auch Commuter (Pendler) und dienten der wirtschaftlichen Oberschicht an der US-Ostküste und auf den großen Seen für die tägliche oder wöchentliche Fahrt zwischen Wohnsitz und Büro. In New York gab es einen extra Anleger für sie.

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