HOYKENKAMP - Im „grünen Hof“ ist der Name Programm. Wenn Werder Bremen spielt, strömen Hunderte Fußballfans zu den Live-Übertragungen in die Hoykenkamper Gaststätte. Und auch wenn kein Spiel ansteht, wird „grün-weiß gedacht“, wie Wirt und Werder-Mitglied Gerhard Menkens anmerkt. Unter seinem Namen ist der Gasthof an der Schierbroker Straße allerdings weitaus geläufiger – „Menkens Hoykenkamp“ ist ein Begriff.

Kein Wunder, denn seit sechs Generationen – mehr als 160 Jahren – stehen Männer mit Namen Menkens hinter dem Tresen. 1817 hatte Harm Dahms hier eine Gaststätte gegründet. Sein Stiefsohn übernahm das Lokal – „er war der erste Menkens“, so dessen Nachfahre Gerhard. Der 39-Jährige begann seine Gastwirt-Laufbahn bereits als kleiner Junge. Sein Großvater Hinrich hatte ihn früh ins Kneipen- und Restaurantleben eingeführt, der junge Gerhard lernte Kartenspielen, Ausschenken und Servieren.

Das kam Gerhard später zugute. Im Klosterhof in Heiligenrode, wo auch seine Eltern gelernt hatten, wurde er zum Koch ausgebildet. „Den Service musste ich nicht mehr lernen“, sagt er, „den kannte ich von hier.“ Seit dem Jahr 2000 leitet Gerhard Menkens die Geschicke des „Grünen Hofes“. Fünf festangestellte Kräfte sowie einige geringfügig Beschäftigte kümmern sich in sechs Räumen und im Garten um ihre Gäste.

Die kommen aber nicht nur zum Essen, Trinken oder Werder anschauen. Denn in Menkens’ Gasthof stehen regelmäßig auch Bundesligaspiele an. Auf den Kegelbahnen rollen seit nunmehr 28 Jahren die Kugeln in der ersten und zweiten Kegel-Bundesliga. Der KSC Hoykenkamp ist hier zu Hause.

Gerhard Menkens selbst hat erst mit 20 mit dem Sportkegeln angefangen. Eine schwere Verletzung beim Handball – der 39-Jährige spielte als Rechtsaußen und Kreisläufer in der Verbandsliga – und seine Anfänge im elterlichen Betrieb hatten ihn zum Wechsel gezwungen. „Unser sportliches Ziel ist der Klassenerhalt“, sagt Menkens. „Die Hälfte des Teams hat in unserer Gaststätte Kegeln gelernt. Die wohnen im Umkreis von fünf bis zehn Kilometern.“ In anderen Gegenden hingegen bildeten sich Spielgemeinschaften. „Das ist so, als wenn Bayern München gegen Pirmasens spielt“, lacht der Gastwirt.


Ungefähr 600 Stammgäste zählt Menkens. „Die begrüße ich per Handschlag“, sagt er. Seine Gäste lobten – Werder und Kegeln hin oder her – besonders die familiäre Atmosphäre. Menkens ist als Gastwirt auch „Kumpel“: „Mein Lokal ist wie eine große Kontaktbörse.“ Auch sein Vater Adolf ist mittendrin und Ansprechpartner für die Stammgäste. Gerhards 17-jähriger Sohn Karol hilft auch ab und zu mit aus. „Aber nur zum Taschengeld aufbessern“, sagt Menkens, „ansonsten ist die Gastronomie nichts für ihn.“ Vielleicht wird sein einjähriger Filius Marcel ja irgendwann in Papas Fußstapfen treten.

Damit es bei dem Kumpel am Zapfhahn weiterhin gemütlich bleibt, wird im „Grünen Hof“ bald umgebaut. Die Gaststube, ein Clubraum und der Saal werden ab Ende des Jahres modernisiert. Von innen erstrahlt der Hof dann in neuem Glanz. Ob die Werder-Kicker im Fernseher auch glänzen, bleibt abzuwarten.