HUDE - Togo hat beim Huder Malermeister Peter Becker und seiner Tochter Annalena bleibenden Eindruck hinterlassen: Die Erfahrungen, die die beiden während ihres einwöchigen Aufenthalts in dem westafrikanischen Land gewonnen haben, „sind abgespeichert fürs ganze Leben“, sagt Peter Becker.
Zusammen mit Annalena hat er sein Patenkind Jenda im Kinderhaus „Frieda“ in der Hauptstadt Lomé besucht. Der elfjährige Junge ist eines von 24 Kindern, die in dem Aids-Waisenhaus mit großer Herzlichkeit von drei „Mamas“ und einem „Papa“ betreut werden. Begleitet wurden Beckers von Wolfram Hartrampf, der als Koordinator des Arbeitskreises Hude/Delmenhorst im Verein für Deutsch-Afrikanische Zusammenarbeit (DAZ) fungiert.
Der Huder Lehrer verbringt vier Wochen in Togo, um das vom Arbeitskreis geförderte Kinderhaus und andere Projekte zu unterstützen. Hartrampf ist ein gern gesehener Gast im Haus „Frieda“. Er hat dort sogar schon ein eigenes Büro – „Onkel Wolli“ steht dort auf dem Türschild. „Sobald die Kinder ihn sehen, flippen sie vor Freude aus“, berichtet Peter Becker. Überhaupt haben ihn die überschwängliche Lebensfreude, die unbändige Energie und die Fröhlichkeit, die die 24 Kinder und Jugendlichen im Haus „Frieda“ ausstrahlen, sehr beeindruckt, sagt der 49-Jährige. „Das hat mich am meisten gefreut.“
Perspektive durch Bildung
Allerdings ist ihm auch nicht verborgen geblieben, dass das Kinderhaus in Togos Hauptstadt eine Art „Insel der Glückseligen“ ist. Es verfügt über eine eigene Wasserversorgung, eine Solaranlage sorgt für Elektrizität. „Es ist dort alles sehr sauber und aufgeräumt, die Kinder führen trotz des Verlustes ihrer Eltern ein ganz normales Leben. Und sie haben eine gute Perspektive dank ihrer Schulbildung“, berichtet Becker. Damit haben sie vielen ihrer Altersgenossen – vor allem im Norden des Landes – einiges voraus: Die Analphabetenquote betrug 2003 immerhin noch 46,8 % in Togo.
Die Hauptstadt Lomé hat Peter Becker in weiten Teilen als „Müllhalde“ empfunden. Ein Großteil der Waren werden aus China bezogen – deren Plastikverpackungen säumen überall die Straßen. In armen Gegenden werde sogar mit Müll geheizt. Die Infrastruktur bezeichnet der Huder als mangelhaft – überall gebe es riesige Schlaglöcher in den Sandpisten, über die die Togolosen bevorzugt mit – in China günstig produzierten – Motorrädern rattern. Autos sind hingegen ein Luxusgut. Ohne Begleitung von Einheimischen empfiehlt es sich als Weißer nicht, durch die Stadt zu gehen – „vor allem abends ist das aus Sicherheitsgründen tabu“, weiß Becker.
Es gibt nur wenige, die sich Strom leisten können. Das führt dazu, dass im Restaurant im Dunkeln gegessen wird. „Man sieht dann nur weiße Augen und Zähne, aber nicht das, was man isst“, erzählt der Huder. Gewöhnungsbedürftig für seine Tochter und ihn waren auch die spontanen Prügelstrafen, mit denen ein auf frischer Tat ertappter Dieb von der Menge gemaßregelt wird. Einen solchen Tumult haben die Huder gleich nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen erlebt.
Das handwerkliche Niveau in Togo ist für Malermeister Becker „in etwa so wie bei uns im Mittelalter“. Arbeitsgeräte wie zum Beispiel eine elektrische Säge hat Becker als Geschenke mitgebracht. Außerdem hat er Geld für Materialien zur Renovierung des Kinderhauses gespendet und die Arbeiten angeleitet. Unterstützt wurde er dabei vom Huder Aimo Hindriks. Der angehende Student verbringt sechs Wochen in Togo.
Quartier bei Jürgen Onken
Gewohnt haben Peter und Annalena Becker während ihres Aufenthalts bei Dr. Jürgen Onken, der vor einem Jahr von Hude nach Lomé umgesiedelt ist und hier mit seiner togolesischen Frau eine neue Heimat gefunden hat. „Bei ihm haben wir uns wie zu Hause gefühlt“, berichtet Peter Becker. Doch die komfortable Unterkunft konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lebensbedingungen in Togo „sehr krass“ sind, wie die 16-jährige Annalena findet. „Ich bin froh, dass ich das Glück gehabt habe, in Deutschland geboren worden zu sein“, sagt die Schülerin.
Gleichwohl will ihr Vater auf jeden Fall nach Togo zurückkehren. „Und dann nehme ich auch meine Frau mit“, hat sich Peter Becker vorgenommen. Mindestens zwei- oder dreimal möchte er noch sein Patenkind Jenda besuchen.
Die Unterhaltskosten pro Kind im Waisenhaus „Frieda“ belaufen sich monatlich auf 50 Euro. Für die medizinische Versorgung und die schulische Ausbildung werden zusätzlich 35 Euro benötigt. Für Spenden steht ein Konto des Vereins Deutsch-Afrikanische Zusammenarbeit (DAZ) bei der Sparkasse Vorpommern (Nummer 232 008 256, BLZ 150 505 00) zur Verfügung, Kennwort „Kinderhaus Frieda“.
Togo ist ein Staat in Westafrika, am Golf von Guinea gelegen, und grenzt an Ghana im Westen, Benin im Osten und Burkina Faso im Norden. Bis zum Ersten Weltkrieg war das Gebiet Togos deutsche Kolonie.In Togo sind vielen Ethnien und Sprachgruppen versammelt. Die Bevölkerungszahl der unterschiedlichen Ethnien reicht von einigen hundert bis zu einigen Millionen Menschen. Insgesamt leben rund 6,6 Millionen Menschen in dem Land.
Nationalsprachen Togos sind Ewe und Kabiye, alleinige Amtssprache ist allerdings Französisch als Erbe der französischen Kolonialherrschaft. Die Unabhängigkeit von Frankreich wurde am 27. April 1960 erklärt.
Die Lebenserwartung liegt durchschnittlich bei 58 Jahren. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist unter 16 Jahre alt. Der Anteil der über 65-Jährigen beträgt dagegen nur 2,7 Prozent.
