Hude - Gemeinsam wuchten Gerald Claußen von der Firma Toma Holzbau und der Praktikant Azizullah Rajabi die schwere Kervenfräse auf die Holzbalken. Claußen erklärt dem geflüchteten Menschen aus Afghanistan die Funktionen. Azizullah Rajabi ist einer von 13 Geflüchteten in Hude, die jetzt an den betrieblichen Schnuppertagen teilnahmen. Zwölf Huder Betriebe waren bereit, an zweimal zwei Tagen geflüchteten Menschen die Chance zu geben, betriebliche Arbeitsbereiche kennenzulernen. Zwei Tage zuvor war Azizullah Rajabi bereits als Schnupperpraktikant in einem landwirtschaftlichen Betrieb.

Warum zweimal zwei Tage? „Berufe in Deutschland unterscheiden sich oftmals ganz erheblich von Berufen in den Herkunftsländern geflüchteter Menschen“, erklärt Ute Frankenfeld, Integrationsbeauftragte des Landkreises Oldenburg, die die betrieblichen Schnuppertage zusammen mit den Willkommenslotsen der Kammern organisierte. „Wir wollten die Gelegenheit bieten, in verschiedene Arbeitsbereiche hineinzuschnuppern, berufliche Neigungen zu entdecken und Kontakt zu den Betrieben vor Ort aufzubauen. Wenn der Wunsch besteht, kann sich natürlich ein längeres Praktikum anschließen.“

Die insgesamt 19 Praktikumsgelegenheiten deckten eine große Bandbreite ab. Es gab Einblicke in eine Baumschule, eine Backstube und den Brunnenbau, resümiert Bettina Doneit, Willkommenslotsin der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer. „Die Huder Betriebe waren gegenüber unserer Idee sehr aufgeschlossen,“ bestätigt Lydia Vaske von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Es sei allerdings eine logistische Herausforderung gewesen, so Marco Janssen, Handwerkskammer Oldenburg, alle Praktikumsplätze nach Interesse der Bewerber zu besetzen und den zeitlichen Ablauf zu koordinieren. Gelungen sei dies aufgrund der Unterstützung durch das Netzwerk Asyl und die Flüchtlingssozialarbeit der Diakonie. Das Netzwerk Asyl, ein Zusammenschluss von Freiwilligen in der Flüchtlingshilfe, der in Hude sehr aktiv ist, leitete alle Informationen in seinem Netzwerk an die Praktikanten weiter. „Ohne die Ehrenamtlichen hätten wir die betrieblichen Schnuppertage nur schwerlich koordinieren können. Außerdem wäre bestimmt manch ein Praktikant nicht im richtigen Betrieb angekommen. Die ehrenamtlichen Helfer haben Fahrdienste übernommen oder den Weg im Vorfeld gemeinsam erkundet und bei Vorgesprächen begleitet“, weiß Frankenfeld.

Er habe viel gelernt, erklärte Gebreberhan Kiflay aus Eritrea bei der Abschlussveranstaltung der betrieblichen Schnuppertage im Kulturhof Hude. Die Integrationsbeauftragte hatte Geflüchtete, Ehrenamtliche, Betriebe und die Flüchtlingssozialarbeit der Diakonie zu einem moderierten Erfahrungsaustausch nach der Praktikumsphase eingeladen. Viele Praktikanten betonten, dass geregelte Arbeitszeiten für sie wichtig seien. Thomas Paatzsch von der Tiefbaufirma Tönjes sah hier noch großen Handlungsbedarf. Für ihn ist die Bereitschaft, bei Bedarf Überstunden zu leisten, selbstverständlich.


„Nun, ich hatte eine nette Chefin, meine Arbeitszeiten waren in Ordnung und das Geschäft war sauber, das hat mir gut gefallen“, bemerkte Khalil Mohammadi über sein Praktikum bei der Filiale der Bäckerei Müller & Egerer in Wüsting. Seine Chefin, Manuela Siegler-Müller, konnte nur Positives sagen: „Es war wirklich super mit ihm.“ Die Willkommenslotsen der Kammern werden weiter Kontakt mit den beteiligten Betrieben aufnehmen, um Anschlussmöglichkeiten zu erörtern.