HUDE - Wer Mitarbeiter in Ministerien oder Behörden auf die Geschichte des Unternehmers Oliver Monsees aus Hude bei Oldenburg anspricht, trifft auf eine Mischung aus Erstaunen und Mitgefühl. „Au Backe“, heißt es dann regelmäßig: „Der Mann hat ein Problem.“

Das stimmt. Monsees hat einen Lackierbetrieb mit 3000 Quadratmetern Grundstück. Anfang Juni 2009, berichtet Monsees, sei er aus dem Urlaub zurückgekommen und habe einige Dutzend Altautos auf seinem Betriebsgrundstück vorgefunden.

Abwrackprämie ist schuld

Ein Schrotthändler hatte offenbar im Zusammenhang mit der Abwrackprämie zu viele Wagen angenommen und sie illegal abgestellt. Auf Gemeindeflächen, aber auch bei Monsees, der sagt: „Das ist alles ohne meine Erlaubnis passiert.“ In nächtlichen Aktionen habe der Schrotthändler immer mehr Autos abgestellt, insgesamt rund 250.

Jetzt wird Monsees die fremden Autos nicht mehr los. Zwischen Hude, Oldenburg und Berlin hört er auf den Ämtern stets: „Wir sind nicht zuständig.“ Hinter vorgehaltener Hand sagt ein Amtsvertreter: „Da wird stille Post gespielt, der Arme.“


Arm könnte Monsees in der Tat werden. Denn eines wissen die Behörden: Tropft aus den illegal abgestellten Fahrzeugen Öl oder Säure auf sein Grundstück, muss er es auf eigene Kosten sanieren. Ein Kostenvoranschlag beläuft sich auf 40 000 Euro. Monsees stöhnt: „Dann kann ich meinen Betrieb dichtmachen und meine neun Mitarbeiter nach Hause schicken.“

Der Schrotthändler kann vermutlich nicht zur Entsorgung der von ihm abgestellten Autos gezwungen werden. Er ist insolvent.

Die Kripo ermittelt gegen alle diejenigen, auf deren Grundstücken Autos abgestellt wurden, auch gegen Monsees. „Es besteht der Anfangsverdacht, dass die Leute Geld dafür bekommen haben, dass sie die Wagen ohne entsprechende Genehmigung bei sich abstellen ließen“, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Monsees weist das zurück: „Ich habe nie Geld bekommen und auch keinerlei Abmachung mit dem Schrotthändler. Ich bin hier ein Opfer.“

Ähnlich klingt das bei Roland Arndt, Wirtschaftsförderer der Gemeinde Hude: „Uns ist das Gleiche passiert wie Herrn Monsees. Auch bei uns hat der Schrotthändler illegal Autos abgestellt. Wir sind quasi Leidensgenossen“, erklärt er. Wie Monsees die Autos loswerden könne? „Wenn ich das wüsste“, sagt Arndt. Die Lage sei verzwickt, auch für die Gemeinde.

Von einem Amt zum anderen

Zuständig sei eigentlich der Landkreis als Gefahrenabwehrbehörde. Dort aber heißt es: Zuständig ist die Gewerbeaufsicht. „Da war ich auch schon, aber helfen konnten die mir nicht“, sagt Monsees. Er ging zur Staatsanwaltschaft, wo er an das Bundeswirtschaftsministerium verwiesen wurde, von dort zum Finanzministerium und von da aus weiter an eine Stelle in Bonn.

Schließlich landete er beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn. Die Oberbehörde war mit dem Abwrackprämienprogramm befasst. Aber für Monsees und sein Auto-Problem ist dort niemand zuständig.