HUDE - Bereits Kinder ab drei Jahren erhalten in Frankreich eine vorschulische Ausbildung. Das deutsche System erlaubt Kindern mehr Freiheiten.
von Anja rohde
HUDE - Auch Kultur und Sehenswürdigkeiten standen auf dem Programm der französischen Delegation aus Hudes Partnerstadt Arnage, die vier Tage lang in der Gemeinde zu Gast war. Aber der eigentliche Grund ihres Kommens waren die vier gemeindeeigenen Kindergärten und die Krippe in Wüsting, über die sich der Bürgermeister von Arnage, André Langevin, seine Stellvertreterin Ginette Nail und Francine Bandon-Brulé, die für den Kindergartenbereich zuständige Gemeindemitarbeiterin, informierten.Gestern trafen sie sich mit dem Huder Bürgermeister Axel Jahnz und den Kindergartenleiterinnen Renate Fuhrken (Kindergarten Wüsting), Brigitte Bunjor (Kindergarten Gänseblümchen in Hude), Cornelia Sohl (Kindergarten Villa Kunterbunt in Hude) und Jutta Onkes (Kindergarten Altmoorhausen) zu einem fachlichen Austausch und einer Besichtigung des Kindergartens Gänseblümchen. Für die deutsch-französische Verständigung sorgte Chadei Rabii, Diplom-Ingenieur beim Huder Unternehmen Urban, der sich für die Dauer des Besuchs Urlaub genommen hatte und die Delegation als Dolmetscher durch die Gemeinde begleitete.
Gibt es denn etwas, was Frankreich vom deutschen Kindergartensystem lernen kann? Durchaus, sagte der französische Bürgermeister. Ein entscheidender Unterschied läge beispielsweise in der Entwicklung der Kinder zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr. Während die Kinder ab dem dritten Lebensjahr in Frankreich bereits eine vorschulische Ausbildung durchliefen und Schreiben und Rechnen lernten, erlaube das deutsche System den Kindern mehr Freiheiten und ließe ihnen mehr Zeit, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. „Das halte ich für besser. Die schulische Vorbereitung ab dem dritten Jahr ist zu früh“, sagte Langevin. Allerdings könne sich Deutschland am französischen Krippensystem ein Beispiel nehmen. „Die Versorgung von Kindern im Alter von drei Monaten bis drei Jahren funktioniert bei uns sehr gut“, betonte Langevin.
Gewillt, dem europäischen Nachbarn in nichts nachzustehen, führte Jahnz ein in Planung stehendes Pilot-Projekt an. Bei diesem Projekt sollen in einem der gemeindeeigenen Kindergärten versuchsweise neue Öffnungszeiten eingeführt werden. „Von sieben bis 19 Uhr ist möglich. Die Geschäftszeiten haben sich heute ja auch verändert“, verwies Jahnz darauf, dass auch hier die Nachfrage das Angebot bestimme. Welcher Kindergarten dafür in Frage käme, sei noch nicht spruchreif.
Heute beendet die französische Delegation ihren Aufenthalt, der ein Gegenbesuch auf den 2005 stattgefundenen Besuch der vier Huder Kindergartenleiterinnen war.
