Hude - „Es ist wie ein schlechter Traum, aus dem man geweckt werden möchte“, sagt Sven Niggemann. Jeden Morgen steht der Inhaber des Car Wash Centers in Hude kopfschüttelnd vor den Boxen seiner Selbstwaschanlage. Der Boden ist seit Tagen trocken, rot-weißes Flatterband ist um die Boxen gespannt. Aufgewacht ist Sven Niggemann aus dem Traum bisher nicht – schließlich ist das, was er da gerade erlebt, Realität.
Nach Anordnung der Landesregierung musste der 55-Jährige Huder Anfang April zunächst seinen kompletten Betrieb schließen, eine Woche später durfte er wieder öffnen – wenn auch nur die automatische Waschanlage. Die Waschboxen sowie Staubsauger und der Vorwaschplatz der automatischen Anlage müssen geschlossen bleiben – ausgerechnet in der Hauptsaison. „Durch den Pollenflug, Reifenwechsel und Blütenstaub kommen zu dieser Jahreszeit die meisten Kunden“, berichtet Niggemann.
Die Waschboxen, in denen die Kunden ihr Auto per Hand waschen können, seien dabei sehr beliebt. „Es gibt jeden Tag zahlreiche Nachfragen, ob man die Boxen nicht nutzen kann“, muss Sven Niggemann diese immer wieder verneinen. Doch auf die Frage „Warum“, die er darauf so oft zu hören bekommt, hat auch er keine Antwort. Er weiß nur: Niedersachsen ist das einzige Bundesland, in dem diese Regel gilt.
„Wir haben 4,50 Meter breite Waschboxen, dazwischen zwei Meter hohe Kunststoffwände und Displays, die wie bei Bank- oder Bahnautomaten funktionieren“, berichtet der Huder, der die Anlage im vergangenen Jahr saniert hat. Auch wenn es nur eine Teil-Schließung ist – sie ist für ihn eine finanzielle Belastung. „Statt vier Waschmöglichkeiten gibt es jetzt nur noch eine. Mir fehlen dadurch 75 Prozent meines Umsatzes.“
Die Schließung an sich sei für ihn dabei gar nicht das entscheidende Problem. „Mir ist klar, dass wir in der aktuellen Situation alle an einem Strang ziehen und jeder von uns Opfer bringen muss“, sagt Niggemann. „Aber es sollten dann doch auch sinnvolle Maßnahmen sein, oder?“
Auf eine Erklärung, warum nur die Kunden selbst in der Box nicht mehr waschen dürfen, wartet Niggemann bis heute: „Ich habe unzählige Mails und Anfragen gestellt, eine Antwort gab es aber noch nicht.“ Auch Politiker aus der Gemeinde und der Bundesverband der Tankstellen und Gewerblichen Autowäsche Deutschland haben sich in Gesprächen und Schreiben an die Landesregierung gewandt – ohne Reaktion.
Die Folge: In den vergangenen Tagen sind Kunden bei Sven Niggemann gewesen, die sich nach Autoshampoo erkundigt haben. „Die Leute, die ihr Auto sonst selbst in der Anlage gewaschen haben, machen das nun womöglich bei sich zu Hause oder fahren nach Bremen“, befürchtet der Unternehmer, der den Huder Betrieb seit 21 Jahren führt.
Die Hoffnung, dass es in der Landesregierung ein Umdenken und damit eine Änderung in der Verordnung gibt, hat Sven Niggemann noch immer. „Wenn es eine Pressekonferenz in Hannover gibt, schalte ich den Livestream an“, sagt er. Bisher gab es für ihn dort keine gute Nachrichten. Und so wird Sven Niggemann wohl auch die nächsten Tage wieder kopfschüttelnd vor seiner geschlossenen Anlage stehen.
