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DEMENZ Familien dankbar für Unterstützung

KERSTIN RICKER

HUDE - Zwei Mal in der Woche besucht Helga Gerdes Klaus Hermann und Ellen Tams. Der an Demenz erkrankte freut sich auf die Besuche der ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Helferkreises „Auszeit“. „Am Anfang habe ich mich dagegen gewährt, aber jetzt bin ich glücklich, dass wir Helga haben“, sagt seine Frau Ellen Tams. Die Besuche seien Höhepunkte in der Woche. „Wir reden und lachen viel gemeinsam“, beschreibt der Erkrankte die Treffen. Während Helga Gerdes und Klaus Tams spazieren gehen, hat Ellen Tams etwas Zeit für sich. Und das ist der Sinn des Projektes „Auszeit“, dass die DRK-Sozialstation in Hude seit gut zweieinhalb Jahren anbietet. Sieben ehrenamtliche Mitarbeiter verbringen Zeit mit Personen, die einen erhöhten Betreuungsbedarf haben – in erster Linie handelt es sich dabei um Demenzerkrankte – und entlasten damit die Familien. „Wir sind sehr froh, dass es dieses Angebot gibt“, lobt das Ehepaar Tams die Arbeit der DRK-Sozialstation und das ehrenamtliche Engagement

von Helga Gerdes. Dankbar seien sie aber auch ihrer Tochter, die sie immer unterstütze.

„Seit der Pflegereform, die zum 1. Juli in Kraft getreten ist, haben wir mehr Anfragen nach Betreuung, als wir leisten können. Es gibt mittlerweile eine Warteliste“, berichtet Roland Schepker, der Leiter der DRK-Sozialstation in Hude. Die Zahl der Demenzkranken nehme zu, und, nachdem die Pflegenden mehr Geld erhalten, sei die Nachfrage nach Betreuung gestiegen. Für die Betroffenen gebe es je nach Schwere der Demenz 100 oder 200 Euro Betreuungsgeld im Monat, die bei der jeweiligen Pflegekasse wie ein Sparkonto geführt würden und für die Betreuung durch das DRK genutzt werden können. „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir weitere ehrenamtliche Mitarbeiter gewinnen könnten“, betont Heike Schmerdtmann, die gemeinsam mit Schepker für das Projekt „Auszeit“ verantwortlich ist.

Die Mitarbeiter werden vor ihrem Einsatz geschult. „Man bekommt bei dieser Arbeit sehr viel zurück“, erklärt Helga Gerdes. Die Betroffenen seien sehr dankbar für die Unterstützung. Auf Grund des gestiegenen Bedarfs gibt es beim DRK Überlegungen, die Betreuung auf eine Tagesbetreuung auszuweiten. Diese soll in Räumen des Seniorenheims stattfinden, zur Zeit sei man aber noch auf der Suche nach der geeignetsten Lösung. „Wir wollen flexible Betreuungszeiten anbieten, um berufstätigen Angehörigen die Betreuung zu erleichtern“, schildert Roland Schepker die Idee. Die nächsten Angebote dieser Art gebe es in der Region nur in Oldenburg und Delmenhorst. Auch für dieses Projekt braucht das DRK noch ehrenamtliche Helfer, da auf zwei Kranke eine Betreuungsperson kommen müsse.

„Wir raten zu einem offenen Umgang mit der Tatsache Pflegebedürftigkeit und Demenzerkrankung“, sagt die stellvertretende DRK-Pflegedienstleiterin Gerti Petrovic. Seit 2008 ist sie qualifizierte Wundexpertin und kümmert sich in der häuslichen Alten- und Krankenpflege um die Wundversorgung. Die DRK- Sozialstation in Hude betreut mit 14 ausgebildeten Pflegekräften durchschnittlich 60 Patienten. „Wir sind mit dem Herzen bei der Arbeit“, sagt Roland Schepker. Ihm und seinen Mitarbeitern sei es besonders wichtig in ihrer pflegerischen Arbeit die Lebensqualität der Menschen zu erhalten und die Würde der Patienten zu gewährleisten.


Pflegereform soll Helfen

Mit der

steigenden Lebenserwartung von Frauen und Männern steigt auch die Zahl hilfe- und pflegebedürftiger Menschen. Gleichzeitig wächst die Zahl von Demenzerkrankungen (Altersverwirrung). Im März hat der Bundestag die Reform der Pflegeversicherung verabschiedet, die zum 1. Juli in Kraft trat. Damit steigen die Leistungen der Pflegeversicherung erstmals seit der Einführung vor 13 Jahren. Die Pflegereform soll Verbesserungen in der häuslichen Pflege und der Betreuung von Demenzkranken sowie verstärkte Kontrollen in den Einrichtungen bewirken. Eine deutliche Verbesserung gibt es für Demenzkrankte. Diese erhalten seit der Reform bis zu 2400 Euro im Jahr. Betroffen sind rund eine Million Menschen. Unterstützung erhalten auch jene, die aufgrund ihrer Demenz zwar noch nicht im eigentlichen Sinne gepflegt, aber dennoch betreut werden müssen. Seit 1. Juli steht für die Betreuung von Demenzkranken in Heimen zusätzliches Personal zur Verfügung.
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