HUDE - Sprachengewirr im Forum der Peter-Ustinov-Schule: Auf Italienisch, Französisch und Polnisch übersetzen Dolmetscher ihren Landsleuten auf dem Podium und im Publikum Zusammenfassungen, die Bürgermeister Axel Jahnz zu einzelnen Diskussionsthemen gibt. Trotz unterschiedlicher Sprachen redet am Donnerstagabend niemand aneinander vorbei: Der Wille, „Grenzen in den Köpfen aufzugeben“, so Jahnz, lässt Verständigungsschwierigkeiten in den Hintergrund treten. Die Podiumsdiskussion im Rahmen der EU-Konferenz beschäftigt sich mit dem Thema „Europäische Identität“ und mit der Frage, was die Bürger von der Europäischen Union haben.

Alle Teilnehmer sind sich darüber einig, dass gerade kommunale Partnerschaften die Identifikation mit Europa stärken. „Europa kann nur funktionieren, wenn man den Alltag der Anderen kennenlernt und sich mit den Lebensarten seiner Nachbarn vertraut macht“, sagt Fiume Venetos stellvertretender Bürgermeister Francisco Beninca. Als „glühender Anhänger der EU“ zeigt sich der Vertreter der Gemeinde Albeck-Sirnitz, Hans Rumpold. „Als ich 1955 aus meinem Bergdorf in Kärnten nach Wien fahren wollte, musste ich einen Identitätsausweis im eigenen Land vorzeigen. Heute gibt es in der EU keine Grenzen mehr“, sagt der Österreicher. Ab dem 21. Dezember fallen auch die Kontrollen an der polnischen Grenze weg: „Das Schengener Abkommen ist für uns ein Geschenk der EU“, freut sich der Ratsvorsitzende der Stadt Nowe Miasto Lubawskie, Andrzej Nadolski. Dass noch viel getan werden müsse, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, meint Ginette Nail, Beigeordnete aus Arnage (Frankreich).

Kommunen profitieren auch finanziell von der EU – das machte der Bürgermeister der Stadt Kröpelin (Mecklenburg-Vorpommern), Paul Schlutow, deutlich: „Durch Förderprojekte ist die EU für uns spürbar geworden. Wir haben ein stärkeres Denken in Regionen entwickelt.“ Auf weitere Mittel für die Verbesserung von Infrastruktur und Wirtschaft, „um das Niveau des Alten Europas erreichen zu können“, hofft der litauische Landrat Leonhard Talmond. „Wir kommen hierher als Schüler, um von Ihnen zu lernen“, sagt der Vertreter der Stadt Salcininkai. Wenn es um Toleranz geht, ist aber Litauen selber ein Vorbild: „80 Prozent der Einwohner in Salcininkai sind Polen. Wir haben große Erfolge in der Integration“, berichtet Talmond.

Rund 60 Interessierte verfolgen die Diskussion – darunter auch Zehntklässler der Peter-Ustinov-Schule, die an einem Projekt zum Thema „Nationale Identitäten im internationalen Vergleich“ mitgewirkt hatten.