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Ehrenamt Streicheleinheiten für die Seele in Huder Seniorenzentrum

HUDE - Immer wieder fährt Lisbeth Rinau mit ihrer zittrigen Hand durch das weiche Fell. Die 90-Jährige ist blind, doch dass der Hund in ihrer Nähe ist, merkt sie sofort. Sie beugt sich leicht nach vorn und murmelt etwas vor sich hin. Was sie erzählt, versteht nur der Hund.

„Die Alten erzählen diesem Hund Sachen, die würden sie uns nie erzählen“, sagt Nicole Punschke, Mitarbeiterin im DRK-Seniorenzentrum Hude. Sie organisiert die Tiertherapie. Etwa einmal im Monat kommt „Hemp“, so heißt der Bordercollie, mit Frauchen Ruth Kruse hierher und besucht die Bewohner. Und die blühen dann förmlich auf, berichtet Punschke. Um 16 Uhr, wenn „Hemp“ im Seniorenzentrum auftaucht, seien die Bewohner normalerweise schon schläferig. Doch wenn der Hund da ist, sind sie wieder hellwach, wollen ihn streicheln, füttern oder seine Kunststücke bewundern.

Für Ehrenamt geehrt

Vor siebeneinhalb Jahren hat Ruth Kruse mit diesen Besuchen angefangen. „Hemp war damals noch ein Welpe“, erinnert die 52-Jährige sich, die normalerweise im Klinikum Delmenhorst an der Information arbeitet. Für diese ehrenamtliche Tiertherapie im Huder Seniorenzentrum wurde sie jüngst von der Stadt Delmenhorst ausgezeichnet (die

NWZ

  berichtete). „Das mache ich gerne“, sagt sie.

„Es ist unser erster Hund, wir haben viel gelesen über die Rasse Bordercollie, und die brauchen eine Aufgabe“, erzählt sie weiter. Ihr Mann geht deshalb regelmäßig mit „Hemp“ zum Agility-Training. Bei dieser Hundesportart müssen die Tiere ihre Geschicklichkeit beweisen.

Und Ruth Kruse brachte „Hemp“ Kunststückchen bei. „Peng“, sagt sie und formt ihre Finger zu einer Pistole. „Hemp“ schmeißt sich auf den Boden, die Beine von sich gestreckt, als wäre er tot. Diese Kunststückchen wollte sie den Bewohnern des Seniorenzentrums auch bei ihrem ersten Besuch zeigen. Das kam ganz hervorragend an.

Auch jetzt lachen einige der Bewohner laut auf, als „Hemp“ seine Späße vorführt. „Der macht das aber fein“, sagt eine ältere Dame, ihre Augen leuchten. Eben saß sie noch völlig in sich versunken in ihrem Rollstuhl. „Man muss eigentlich gar nicht viel machen“, erklärt Ruth Kruse das Prinzip. Einfach nur da sein – und „Hemp“ machen lassen.


Der spürt genau, wo er willkommen ist und wo nicht. Lisbeths Rinaus Tischnachbarin mag „Hemp“ heute zum Beispiel nicht streicheln und auch nicht füttern, sagt sie zu seinem Frauchen. Doch Ruth Kruse muss den Hund gar nicht abhalten. „Hemp“ ignoriert die alte Dame von sich aus. Er geht wieder zu Lisbeth Rinau und lässt sich geduldig weiter streicheln. „Für ihn ist das Kopfarbeit, schwerste Kopfarbeit“, berichtet Ruth Kruse. Nach dem einstündigen Besuch sei er jedes Mal völlig erledigt. Schon auf der Rückfahrt nach Delmenhorst schläft er ein.

Ans Landleben erinnert

Für die Senioren ist dieser Besuch auch ein Stück Erinnerung, Erinnerung an ein Leben auf dem Land. „Die meisten unserer Bewohner kommen vom Land, sie sind mit Tieren aufgewachsen“, erzählt Nicole Punschke. „Die Tiere bringen ihnen Freude.“ Nicht nur Hunde kommen deshalb regelmäßig ins Seniorenheim, sondern auch Kaninchen. „Doch das ist nicht für jeden etwas“, erklärt Punschke. „Kaninchen sind für die meisten Schlachttiere, die wollen sie nicht streicheln. Hunde hingegen schon.“

Zumindest „Hemp“. Nicht jeder Hund ist für die Tiertherapie geeignet, weiß Ruth Kruse. Sie müssen sich von allen Seiten streichen lassen, dürfen nicht laut bellen oder gar aggressiv werden. „Hemp“ lässt nicht nur alles bedingungslos über sich ergehen, er geht auch offen auf die Alten zu. Deshalb darf er auch zu den Bettlägerigen. Wo er erwünscht ist, springt er auf die Bettdecke und lässt sich kraulen. Ein wahres Hundeleben.

Stefanie Dosch
Stefanie Dosch Politikredaktion/Newsdeskmanagerin
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