HUDE - Wer in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe, im „Heim“, lebt, dem haftet oft der Makel des Versagens an. Zu Unrecht: Wer im „Lindenhof“ an der Vielstedter Straße in Hude aufwächst, muss sich dafür nicht schämen – das unterstrich die Familientherapeutin und Supervisorin Stefanie Thiede-Moralejo am Freitag während der Feier zur Einweihung der umgestalteten Räume und Außenflächen des Huder Jugendhilfe-Hauses. Kinder und Jugendliche, die die Einrichtung verlassen, könnten rückblickend sagen: „Hier habe ich viel gelernt.“
Das bestätigte der 15-jährige Stefan Scheifel stellvertretend für die derzeit 23 Mädchen und Jungen, die im „Lindenhof“ wohnen: „Ich bin gerne hier, auch wenn das Leben hier Ecken und Kanten hat. Es ist kein Vergleich mit Zuhause, wo sich Mutti vielleicht noch mal weichkochen lässt.“ Er dankte seinen drei Betreuerinnen, die ihn auf die „richtige Schiene“ gebracht hätten. Im „Lindenhof“, so der 15-Jährige, werde man auf das wirkliche Leben vorbereitet.
Ein schöneres Kompliment hätte es für Leiter Holger Knoop nicht geben können. Sein Konzept beinhaltet, seinen Schützlingen „Alltagsnormalität mit klaren Absprachen und Regeln“ zu vermitteln. Eltern sowie wichtige Bezugspersonen werden intensiv beteiligt. „Aufgabe einer guten Jugendhilfeeinrichtung ist es, Kindern und Jugendlichen Schutz und Unterstützung zu gewähren und ihnen Ermutigung zu geben, sich auf das Abenteuer Jugend einzulassen“, betonte Diakonie-Vorstand Pastor Thomas Feld. Auch der Sozialdezernent des Landkreises Oldenburg, Robert Wittkowski, bescheinigte dem „Lindenhof“-Team mit Knoop an der Spitze „hervorragende Arbeit“: „Wir vertrauen Ihnen auch weiterhin gerne Kinder an.“
Laut Thomas Feld möchte Holger Knoop den „Lindenhof“ zur „Vier-Sterne-Jugendhilfe-Einrichtung“ ausbauen – beste Voraussetzungen dafür hat der von Architektin Claudia Haake geplante Umbau geschaffen: 500 000 Euro wurden investiert – das Diakonische Werk als Träger der Einrichtung und die „Aktion Mensch“ haben wesentlich zur Finanzierung beigetragen. Es wurde ein zusätzliches Wohnappartement geschaffen, aus einem stillgelegten Schwimmbad entstand ein Mehrzweckraum, Heizung, Dachisolierung und Brandschutz wurden auf den neuesten Stand gebracht, der Außenbereich wurde mit Spiel- und Basketballplatz sowie einem Teich komplett umgestaltet.
Die Huder Pastorin Dörte Kramer fasste das mit einem Paulus-Wort zusammen: „Ihr seid Gottes Bau.“ Sie hob auf die seit 30 Jahren währende gute Nachbarschaft zwischen Pastorei und „Lindenhof“ ab – durch die Teilnahme von „Lindenhof“-Bewohnern am Konfirmandenunterricht und Besuche von Konfirmanden „nebenan“ hätten viele Vorurteile korrigiert werden können.
Hemmschwellen abbauen sollte auch der „Tag der offenen Tür“, bei dem sich Gäste am Freitagnachmittag ein Bild vom „neuen Lindenhof“ machen konnten.
Aus Kinderkurheim entstanden
Gegründet
wurde der „Lindenhof“ 1978 als heilpädagogisches Kinderheim, das aus einem ehemaligen Kinderkurheim entstanden war. 1994 wurde das Konzept auf familienorientierte Strukturen umgestellt.Derzeit
sind 23 Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis 19 Jahren in vier unterschiedlichen Gruppen untergebracht. Die Verweildauer beträgt im Schnitt eineinhalb bis zwei Jahre.Neben stationären Betreuungsangeboten gibt es auch ambulante Hilfen.
Infos unter www.
lindenhof-hude.de
