HUDE - Wer kennt das nicht: Im Supermarkt lockt ein Promotion-Stand, an dem Käsespezialitäten zum Probieren angeboten werden. Wie man es schafft, Kunden von dem Produkt so zu überzeugen, dass sie es anschließend auch kaufen, das weiß André Lisser. Der 52-jährige Vertriebsprofi hat sich mit seiner Firma auf den Lebensmitteleinzelhandel konzentriert – mit großem Erfolg: 2007 hat er im Huder Gewerbegebiet „Zur Burg“ mit vier Promotern angefangen, bereits zwei Jahre später war die Zahl derer, die Kostproben an die Frau und den Mann bringen sollen, auf 163 angewachsen. Heute beschäftigt Lisser 451 Promoter, die bundesweit zwischen Ostfriesland und München im Einsatz sind, und arbeitet mit allen großen Ketten im Lebensmitteleinzelhandel zusammen. Der Schwerpunkt liegt auf Wurstwaren.

Sein Erfolgsrezept beschreibt der Vertriebsexperte so: „Der Kunde ist immer König, ein Nein gibt es nicht.“ Seine Promoter arbeiten „vertriebsorientiert“, sie müssen verkaufen können, kommunikativ sein, ohne aufdringlich zu erscheinen. Diese Fähigkeiten werden ihnen in Schulungen vermittelt. Der persönliche Eindruck ist dem Chef wichtig: „Es gibt keinen Promoter, den ich nicht selber gesehen und gesprochen habe.“ Ob blond oder schwarzhaarig, dick oder dünn, groß oder klein – solche Äußerlichkeiten sind Lisser egal, „sauber, ordentlich, fleißig, gepflegt, ehrlich und zuverlässig“ sind für ihn die Attribute, die zählen. „Beste Ergebnisse“ bei Supermarkt-Einsätzen habe er mit Mitarbeiterinnen erzielt, die zwischen 40 und 60 Jahre alt sind und als „gestandene Hausfrauen“ authentisch wirken.

Lisser bietet auch „Full-Service-Promotion“ an: Musterware und Materialien – vom T-Shirt bis zum Stehtisch – des Kunden werden von ihm verwaltet und eingesetzt. Dafür hat er jetzt einen rund 150 Quadratmeter großen Lagerraum nebenan gemietet.

Für verschiedene Lebensmittel-Produzenten übernimmt die Huder Firma Marktbetreuung, Produkteinführungen und Bestellwesen in einem – so ordern Verbrauchermarkt-Ketten Frischware bei Lisser und nicht beim eigentlichen Produzenten. Für einen der bekanntesten Wurst-Hersteller in Bayern, Thüringen und Sachsen hat Lisser die Bereiche Vertrieb und Produktentwicklung übernommen.

Ein Beispiel für Nischen, in die Lisser mit Erfolg stößt, ist die „Theken-Schulung“: „Vor Ort vermitteln wir alles vom vernünftigen Einräumen der Kühltresen bis hin zu richtigen Aufschnitt-Techniken“, berichtet Lisser von einem „sehr begehrten Markt“.


Unterstützt wird André Lisser von seiner Frau Katja und seit 2009 auch von seinem Sohn Bastian. Der 21-Jährige sei „mit Leib und Seele“ dabei, freut sich sein Vater, der plant, „in zehn Jahren“ aufzuhören. Als „gute Fee“ im Büro ist Sandra Ahrens für den Chef „unentbehrlich“.

In diesem Jahr will sich Lisser als erstes Unternehmen in der Lebensmittel-Promotion vom TÜV zertifizieren lassen. Darüber hinaus plant er „kurzfristig“ den Einstieg ins Immobiliengeschäft als Makler und Bauträger – „dafür werden neue Leute eingestellt“, kündigt er an.

Bei allem Erfolg ist Lisser bodenständig geblieben: „Ich hasse Überheblichkeit.“