HUDE - „Ist der Frühling trocken, gibts einen nassen Sommer“ – in diesem Jahr ist diese Bauernregel ein Volltreffer. So manch einem Landwirt wäre es aber momentan lieber, dem wäre nicht so. Erst die lange Trockenheit im Frühjahr, dann frostige Nächte und jetzt die verregnete Erntezeit im kalendarischen Hochsommer: Die Wetterkapriolen in diesem Jahr machen auch den Bauern in der Gemeinde Hude schwer zu schaffen. Es drohen Ertragseinbußen, Qualitätsverluste und höhere Kosten. „Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal so schwierige Bedingungen erlebt zu haben“, sagt Helmut Braun, Vorsitzender des Ortslandvolkverbandes Hurrel.
Nur 2,7 Tonnen pro Hektar
Braun berichtet von rund 60-prozentigen Ernte-Ausfällen bei der Wintergerste. „Der durchschnittliche Ertrag liegt sonst bei sechs Tonnen pro Hektar. In diesem Jahr haben wir nur rund 2,5 Tonnen erreicht.“ Das bestätigt der Vorsitzende des Ortslandvolkverbandes Hude-Vielstedt, Heino Rippen: „Die Erträge hinken bei weitem den Erwartungen hinterher.“ Sorgen bereitet auch die aktuelle Getreideernte. Bei Weizen, Triticale und Roggen zeichne sich ab, dass die Ernte um rund 25 Prozent geringer ausfallen werde als im Vorjahr, so Braun. Auch Rippen rechnet damit, dass die Getreideernte einen unterdurchschnittlichen Ertrag bringen wird, für eine Bilanz sei es aber noch zu früh. Um die restliche Getreideernte einzufahren, bräuchten die Bauern noch einige Tage gutes Wetter.
Zwangspause für Drescher
Derzeit müssten die Mähdrescher nach den Regengüssen der vergangenen Tage eine Zwangspause einlegen. „Wir hoffen darauf, dass es bald trocken bleibt – dann wäre innerhalb von acht Tagen alles erledigt“, so Rippen. In Phasen, in denen die Ernte möglich ist, werde gearbeitet, „was die Mechanik hergibt“. Dann werde auch bis tief in die Nacht gefahren.
Bereits abzusehen ist, dass Stroh ein knappes Gut wird. „Einige Kollegen fahren bis nach Hildesheim, um ihren Bedarf zu decken“, weiß Braun. Derzeit bekomme man das Stroh nicht vom Feld, es sei schlichtweg zu nass. Das häufige Wenden verursache zusätzliche Kosten.
Im Grünland, wo es beim ersten Schnitt Anfang Mai trockenheitsbedingt Ausfälle von bis zu 50 Prozent gegeben hatte, konnte der schlechte Start im Laufe der Saison durch den zweiten Schnitt nicht kompensiert werden, berichtet Rippen.
„Gewinner“ der Saison dürfte nach Einschätzung der Landvolk-Vorsitzenden der Mais werden: „Der Mais hat das Frühjahr und die Trockenheit gut überstanden“, so Heino Rippen. „Die Bestände sehen gut und gleichmäßig aus“, meint Helmut Braun.
