HUDE - Wenn Liebe eine Leiter wäre und Erinnerungen die Stufen, würden wir zu Euch hochkommen und Euch zurückholen. Diese bewegenden Worte stehen auf einem der rosafarbenen Blätter, die Freunde und Bekannte der vierköpfigen Huder Familie S., die unter tragischen Umständen den Tod gefunden hat, am Sonntag beim Gottesdienst in der St. Elisabeth-Kirche an eine blaue Gedächtnistafel heften. Viele Zettel mit tröstenden Sätzen für die Angehörigen sammeln sich dort.
Gedächtnistafel
Pastor Reiner Backenköhler hat in jeder Kirchenbank Stifte und Papier ausgelegt, damit die Gottesdienstbesucher ihre Gedanken aufschreiben können. Während die Botschaften auf der blauen Gedächtnistafel den Hinterbliebenen zugänglich gemacht werden, bekommt die stillen Gebete, die in die Ritzen und Fugen einer rechts vom Altar aufgebauten Steinwand gesteckt werden können, niemand mehr zu Gesicht. Hier ist der Raum für ganz persönliche Worte an die vier Verstorbenen, sagt Reiner Backenköhler.
Deren Namen Sabrina (17), Dennis (22), Heike (51) und Helge (53) nennt der Pastor immer wieder in dem Gottesdienst, der kein normaler ist. Wenn Menschen unter uns sind, die sehr traurig sind, dann geht uns das alle an. Dieser Trauergottesdienst ist der Ort, um Leiden und Lasten miteinander zu teilen, betont Backenköhler. Hude trauere in diesen Tagen aus vollem Herzen.
Knapp 210 Menschen darunter viele junge Leute aus dem Freundeskreis von Sabrina und Dennis sind gekommen, um Trost zu finden. Sie umarmen sich in und vor der Kirche, halten einander die Hände. Manche können ihre Tränen nicht zurückhalten. Das ist gut so, denn Tränen sind kein Zeichen von Schwäche, sie zeigen die Stärke, die ihr habt, so hat es eine Schreiberin auf der Gedächtnistafel treffend formuliert.
Was ist in dem Haus an der Alma-Rogge-Straße am Ende der Osterfeiertage passiert? Warum mussten die Mutter und die beiden Kinder sterben? Was ist mit Familienvater Helge S., dessen Leiche die Polizei am Donnerstag im nahe gelegenen Baggersee gefunden hatte? Reiner Backenköhler vermag darauf in seiner Predigt keine Antworten zu geben. Er warnt jedoch vor vorschnellen Urteilen: Die Versuchung ist groß, nach Erklärungen zu suchen. Aber können wir wirklich ein ganzes Leben erklären?
Schmerz und Schuld
Trost spendet der Pastor mit der Geschichte vom Apostel Thomas, der an der Auferstehung Jesu zunächst zweifelte, bis er selbst die Wundmale des Auferstandenen sehen und als einziger berühren durfte. Backenköhler fordert die Trauernden dazu auf, Schmerz und Schuld zuzulassen. Unter den Besuchern des Gottesdienstes ist auch Bürgermeister Axel Jahnz, der im Wechsel mit Pastor Reiner Backenköhler und der Gemeinde ein Gebet spricht.
Gedächtnistafel und Steinwand können auch weiterhin mit Gedanken und Gebeten gefüllt werden. Die St. Elisabeth-Kirche bleibt dafür in den nächsten Tagen geöffnet.
