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FREIZEIT HUDER LUFTSPORTVEREIN GEHT REGELMÄßIG IN DIE LUFT Flieger genießen Freiheit über der Geest

BJÖRN VÖLLMAR

HUDE/GANDERKESEE - Mit 90 Stundenkilometern rauscht die Propellermaschine über die Piste. Hinter ihr ist mit einem 40 Meter langen Seil ein Segelflugzeug befestigt – Spannweite 15 Meter. Es springt durch die fordernden Kräfte leicht hoch und setzt wieder auf. Die Schleppmaschine – eine Ikarus CL42 UL – wird schneller. Sie erreicht ihre Maximalgeschwindigkeit, hebt ab und zieht den Gleiter hinter sich her. Der Tacho im Segelflugzeug misst 130 Kilometer pro Stunde, die Höhenanzeige nach zwei bis drei Minuten in der Luft 400 Meter. Es geht immer weiter nach oben – die Sonne strahlt, und die Wolken breiten sich am blauen Horizont erwartungsvoll aus. Abenteuerlust und grenzenlose Weite vermischen sich zu einem Gefühl von absoluter Freiheit.

In 600 Metern löst Segelflieger Bernd Schnieder das Verbindungsseil zum Schlepp- flugzeug vor ihm – er „klinkt aus“. Der Pilot der Ikarus lässt sich daraufhin mit der Propellermaschine mehrere hundert Meter senkrecht nach unten stürzen, bevor er sich auf den Landeanflug vorbereitet – „der Höhepunkt eines jeden Schleppflugs“, schildert Schnieder, der seit 25 Jahren im Luftsportverein (LSV) Hude aktiv ist.

Der Segelflieger hält die Höhe. Schnieder zieht große Kreise über Ganderkesee und den Flugplatz – wie ein Greifvogel mit riesigen Flügeln, der Beute gesichtet hat. Von hier oben wirkt alles viel kleiner – Mensch, Haus, Auto und Tier.

Im April beginnt die Saison der Segelflieger. Die Mitglieder des LSV Hude treffen sich dann fast jedes Wochenende bis zum November auf dem Flugplatz in Ganderkesee. Drei- bis viermal am Tag kann dann jeder – der eine Zulassung hat – fliegen und einen Blick vom Himmel auf die Miniaturlandschaft Wildeshauser Geest werfen.

Ab 14 Jahren kann man mit der Ausbildung zum Segelflieger beginnen. Der Unterricht ist in einen theoretischen und einen praktischen Teil gegliedert. Die Flugschüler bekommen unter anderem Inhalte in den Fächern Technik, Meteorologie, Navigation und Luftrecht vermittelt. „Wer gut mitmacht, benötigt vielleicht nur 25 Starts mit Fluglehrer bis zum ersten Alleinflug“, sagt Udo Henke. In diesem Jahr haben die beiden 14-Jährigen Timm Eckhoff und Arne Gall aus Hude ihre ersten Alleinflüge absolviert. „Sie dürfen zwar noch nicht Auto fahren, aber dafür dank unserer Ausbildung fliegen“, berichtet Heinrich Schnieder, 1. Vorsitzender des Vereins, stolz. „Segelfliegen ist finanzierbar“, sagt Schnieder, „die komplette Ausbildung kostet etwa 1000 Euro.“ Zudem sei es ein Hobby, das gerade jungen Menschen weiterhilft. Neben dem Wissen über technische Zusammenhänge, welches vermittelt wird, ist Teamwork gefragt, erläutert Schnieder: „Alleine kommt man nicht hoch.“ Mindestens vier Leute sind


notwendig: ein Pilot für das Schleppflugzeug, einer im Segelflieger und zwei Gehilfen, die den Flieger beim Start gerade halten.

Entscheidendes Element beim Segelfliegen ist der thermische Aufwind. Er dient als Antriebsquelle. Scheint die Sonne, erwärmt sich die Erdoberfläche und gibt einen Teil der Wärme an die auf ihr lastende Luft ab. In ihr hält sich das Segelflugzeug – es steigt auf oder ab. Je kühler die Luft ist, umso mehr verkürzt sich die Verweildauer, und das Flugzeug gleitet schnell nach unten. Die weiteste Strecke legten der Deutsche Klaus Ohlmann und der Österreicher Karl Rabeder am 21. Januar 2003 zurück. Sie flogen in Argentinien 3009 Kilometer ohne Zwischenlandung.

Eine Strecke, die Bernd Schnieder an diesem sonnigen Herbsttag nicht mehr schafft. Langsam zieht der Pilot über Ganderkesee eine Rechtskurve. Er visiert die Rasenfläche neben der Landebahn auf dem Flugplatz an. Das Grün kommt immer näher. Der Gleiter setzt auf, holpert ein Paar Meter und bleibt stehen.

Klostergemeinde hat die höchste Weltmeisterdichte

Zahlreiche Titel

zieren die Geschichte des Luftsportvereins Hude.

Die Klostergemeinde hat die „höchste Weltmeisterdichte im Segelfliegen“, sagt Fred Weinholz, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Segelflugkommission. Alleine Ingo Renner holte sich viermal die Trophäe.

Zudem zählt der Kunstflugweltmeister und Hubschrauber-Konstrukteur Gerd Achgelis zu den Mitgliedern.

Außergewöhnlich

ist auch die Zusammensetzung des 1951 gegründeten Vereins. Er besteht aus zwei Sparten: dem Segelflug und dem Modellflug. Momentan sind etwa 100 Mitglieder aktiv, von denen sich knapp zwei Drittel dem Modellflug widmen.

Der Verein hat seit 1990 ein Haus am Vielstedter Kirchweg 3 angepachtet, das als Clubheim dient. Dort befinden sich eine Werkstatt sowie ein Unterrichts- und Gemeinschaftsraum. Jedes Jahr findet in dem Heim ein Tag der offenen Tür statt. Im Jahr 1999 kaufte sich der Verein eine Brachfläche bei Wüsting dazu, die als Modellflugplatz genutzt wird.

Auf dem Flugplatz

Ganderkesee haben die Segelflieger 2004 ihren Betrieb aufgenommen. Im Vereinsbesitz befinden sich zwei Segelflugzeuge und eine ultraleichte, zweisitzige Maschine – das sogenannte Schleppflugzeug.

Mehr Infos unter www.lsv-hude.de

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