HUDE - Bekomme ich auch morgen die beste medizinische Versorgung? Kann ich mir ärztliche Behandlung überhaupt noch leisten, besonders in einer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden? Diese und weitere Fragen zum deutschen Gesundheitssystem zu beantworten, hatte sich die Arbeitsgemeinschaft der SPD 60 Plus zum Ziel gesetzt. Der Delmenhorster Bundestagsabgeordnete Holger Ortel hatte zu diesem Zweck am Dienstag die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages, Dr. Carola Reimann, in den Gasthof Burgdorf in Hude eingeladen.

Die Expertin für Gesundheitspolitik informierte die circa 60 anwesenden Senioren und Seniorinnen über das Konzept der solidarischen Bürgerversicherung. Die darin entwickelten Vorschläge bilden die SPD-Alternative zur Kopfpauschale und Zusatzbeiträgen der Bundesregierung. Der Bezirksvorsitzende der Arbeitsgruppe 60 Plus Dieter Sündermann erklärte, die Idee der Bürgerversicherung gebe es schon seit sieben Jahren, zugegebenermaßen sei sie aber erst jetzt vollständig ausformuliert und durchdacht. Hermann Bokelmann, Kreisvorsitzender der SPD-Senioren, ergänzte: „Die Gesundheitsreform von Gesundheitsminister Rösler belastet einseitig die Versicherten. Dem wollen wir den Vorschlag zur Bürgerversicherung entgegenstellen, bei der alle von einem fairen, solidarisch finanzierten System gleichermaßen profitieren.“

Kern des jetzt erarbeiteten Konzepts sei die Stärkung der Solidarität in der Krankenversicherung sowie die Entlastung vor allem der Arbeitnehmer bei der Beitragszahlung. Das Bürgerversicherungsmodell sieht eine Verteilung der Beiträge auf drei Säulen vor. Dabei sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer real gleich viel Beiträge zahlen. Die dritte Komponente sollen Steuerzuschüsse für die gesetzliche Krankenversicherung bilden.

Auch eine Idee zur Finanzierung dieser Zuschüsse hatte Carola Reimann im Gepäck. Die Gesellschaft werde immer älter und daher fielen in dem auf Arbeit ausgerichteten deutschen Gesundheitssystem zunehmend Beitragszahler weg. Viele ältere Menschen erzielten aber dennoch Einkünfte, zum Beispiel aus Kapital. „Auf dieses Kapital könnten Steuern erhoben werden, mit denen man dann die solidarische Bürgerversicherung unterstützt. Mit dem Prinzip der Solidarität sind wir immer gut gefahren, daher sollten wir es ausbauen“, erklärte die Gesundheitspolitikerin.