HUDE/HAMBURG - Seit gut zwei Monaten gibt es die Apotheke am Hans-Albers-Platz. Mit der Kiez-Kundschaft hat Wübbenhorst nur wenig Probleme.
Von CHristian Schwarz
HUDE/HAMBURG - Eine junge Frau war anfangs in Erklärungsnot geraten. Als sie ihren Eltern verriet, dass sie bis tief in die Nacht auf der Reeperbahn arbeiten würde, waren die zunächst irritiert. Nachdem sie sich die Arbeitsstätte der Tochter genauer angesehen hatten, fiel ihnen ein Stein vom Herzen: Es handelt sich um eine Apotheke, die der Huder Heinke Wübbenhorst mitten auf Hamburgs Amüsiermeile eröffnet hat.Nach dem Pharmaziestudium in Würzburg und Kiel arbeitete der 29-Jährige gerade in einer Apotheke in Heide, als ihm ein „unmoralisches“ Angebot gemacht wurde. Eine Apotheke mitten auf dem Kiez zu eröffnen, das klang reizvoll. Wübbenhorst sagte sofort zu. Ende Februar war die Endabnahme des kernsanierten Altbaus am Hans-Albers-Platz, seitdem gehen Salben, Pillen, Fläschchen und Pflaster über den Ladentisch.
Eher selten verkaufen Wübbenhorst und sein Team Kondome oder Gleitmittel. „Sie nehmen doch auch kein Glas mit, wenn Sie in die Kneipe gehen“, lächelt er. Und auch sonst ist sein Geschäft eine ganz normale Apotheke – zumindest fast. Bis Mitternacht sind Wübbenhorst und seine jungen Mitarbeiter für die Kunden da. Meistens geht es international zu. Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Russisch – die Kiez-Apotheke ist ein pharmazeutisches Babylon.
Weit verbreitet ist auf dem Kiez auch die Sprache des Alkohols. In der Anfangszeit, erinnert sich Wübbenhorst, habe es häufiger Probleme mit Betrunkenen gegeben, die zu nächtlicher Stunde (die Apotheke hatte zunächst am Wochenende bis 2 Uhr geöffnet) in seinem Geschäft nächtigen oder sich übergeben wollten (und es auch taten). Jetzt hat der Huder die Öffnungszeiten verkürzt, und es verirrt sich höchstens mal ein wackelig laufender Zeitgenosse in sein Geschäft.
Heinke Wübbenhorst macht die Arbeit auf dem Kiez viel Freude. Und die Kunden danken ihm für seine Dienste, zum Teil mit Ansichtskarten aus ganz Deutschland. Nur seine Freizeit kommt ein wenig kurz. Zum Schwimmen kommt der Vorsitzende des DLRG-Ortsverbandes Hude so gut wie gar nicht mehr. Aber er plant, in nicht allzu ferner Zukunft seine 7-Tage-Woche allmählich zurückzuschrauben.
Nur mit manchen „Kunden“ steht der Diplom-Pharmazeut auf Kriegsfuß. Manche Gäste lassen nämlich hier und da etwas mitgehen. „Je oller, desto doller“, beschreibt Wübbenhorst das Täterprofil. Am kreativsten im Ausreden erfinden seien ältere Damen. „Die sagen dann, sie bekämen so wenig Rente, und ich könnte das Gestohlene ja von der Steuer absetzen.“ Erklärungsnot sieht anders aus.
