HUDE - HUDE/KOS - Eine Neuauflage des Werkverzeichnisses des Huder Malers Heinz Witte-Lenoir (1880 bis 1961) steht kurz bevor. Grund: Dem Herausgeber Dr. Ulrich Wilke wurden seit der Erstauflage vor zwei Jahren eine Reihe weiterer Werke nachgemeldet. Der aktuelle Stand der nachgewiesenen Arbeiten beträgt mehr als 750: Ölgemälde, Tempera-Bilder, Aquarelle, Handzeichnungen und Radierungen.

Die bisher nicht erfassten Werke sollen in die Neuauflage aufgenommen werden, berichtet Wilke, der telefonisch unter 04408/1002 erreichbar ist. „Jeder neue Eintrag, in der Regel mit Abbildung, dient der posthumen Würdigung des Lebenswerkes dieses bedeutenden norddeutschen Malers und hilft, sein Werk vor dem Vergessen zu bewahren“, beschreibt der Huder Arzt die Zielrichtung des Verzeichnisses und versichert: „Alle Eintragungen erfolgen ohne Namensnennung oder sonstige Hinweise auf die Eigentümer der Werke“.

Wilke selbst besitzt eine Reihe von Witte-Lenoir-Arbeiten. Von 1958 bis zum Tode des Künstlers 1961 hat er ihn behandelt. Wilke kannte ihn von Kindesbeinen an. Seine Eltern waren mit Witte-Lenoir und dessen langjähriger Lebensgefährtin „Tully“ Gladbach befreundet, spielten öfter Karten miteinander. „Er war ein sehr gutmütiger Mensch, voller Witz und Charme“, erinnert sich Wilke.

Heinz Witte wurde 1880 als Sohn eines Kleinbauern in Lintel geboren. Nach dem Besuch der einklassigen Volksschule in seinem Heimatdorf ging er zur Großherzoglichen Eisenbahn nach Löningen. Seit seiner Kindheit hatte er gezeichnet und gemalt. Durch die zufällige Bekanntschaft mit Professor Benno Schumacher bekam sein Leben eine abrupte Wendung. Er hängte als 18-Jähriger die Eisenbahner-Lehre an den Nagel und verbrachte mit Schumacher zunächst ein halbes Jahr in Italien. Nach seiner Rückkehr arbeitete er für ein paar Monate in Oldenburg und ging dann als 19-Jähriger nach Paris.

Dort lernte er bekannte Malerkollegen wie Amedeo Modigliani, Wilhelm Lehmbruck oder Paula Modersohn-Becker kennen. Er besuchte in Paris die berühmte Akademie Colarossi und später die „Academie des Beaux Arts“. Danach reiste er durch die Welt. Holland, England, Südfrankreich, andere Mittelmeerländer, Ägypten und Indien waren Stationen seiner Studienreisen. Wegen seiner Malweise bekam Witte (plattdeutsch für „Der Weiße“) den Beinamen „Le Noir“ (der Schwarze/Dunkle).


Ein Großteil seiner Werke wurde bei einem Bombenangriff auf Berlin vernichtet. Kurze Zeit lebte er nach dem Krieg in Löningen. 1946 kehrte er nach Hude zurück. Viele seiner Bilder hat er im Tausch für Lebensmittel, ein Paar Schuhe oder auch für ärztliche Behandlungen hergegeben. Bis zu seinem Tode blieb er seinem Stil (gegenständlich, an den Impressionismus angelehnt) treu, malte in einem zum Atelier umgebauten Hühnerstall und lebte in bescheidenen Verhältnissen.