Hude - Hude ist teilweise betroffen von den „roten Gebieten“. Das hat vergangene Woche der Nährstoffbericht 2018 des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums ergeben. Auch ein Teil der Gemeinde Hude ist demnach mit zu hohen Nitratwerten belastet. Die Landwirte müssen künftig mit strengeren Vorgaben bei der Gülleausbringung rechnen. Deshalb hat sich die NWZ das Thema Güllefahren einmal genauer angesehen und den Landwirt Ingo Wachtendorf aus Hude bei einer Tour begleitet.
Wachtendorf, 1. Vorsitzende des Landvolks Hude, führt einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 120 Kühen und 120 Jungrindern. 80 Hektar Grünland bewirtschaftet er, hinzu kommen 20 Hektar Ackerfläche für den Anbau von Mais.
Bevor es losgehen kann, muss der Güllewagen aufgetankt werden. Dafür fährt Wachtendorf mit dem Trecker an das Güllelager direkt neben dem Rinderstall heran – eine Grube, aus der ein dicker Schlauch herausragt. Als er die Abdeckung zur Seite schiebt, breitet sich ein beißender Geruch aus, an den der Landwirt gewöhnt zu sein scheint. Die „Gülletankstelle“ hat System: Der gesamte über 2000 Quadratmeter große Stall ist unterkellert. Durch einen Spaltenboden fällt der Mist und Urin der Tiere in das Güllelager, wo es mit dem Prozesswasser – beispielsweise von der Tränke – vermengt wird. 1300 Kubikmeter Gülle können hier gelagert werden.
Nach der Grasernte
Der Wirtschaftsdünger muss auf einem Feld ausgebracht werden, das etwa einen Kilometer vom Hof entfernt liegt – auf den Grünflächen „immer wenn wir Gras geerntet haben“, erklärt Wachtendorf. Das sei alle sechs bis acht Wochen der Fall, gedüngt wird pro Feld aber höchstens drei Mal im Jahr. Die Grassilage – auch der Mais vom Acker – dient als Tierfutter. Nur Kraftfutter wird hinzu gekauft. Die Gülle sorgt dafür, dass der Boden Nährstoffe erhält und ein guter Ertrag erwirtschaftet werden kann. „Wir schließen damit den Kreislauf“, sagt Wachtendorf. Auf dem Feld angekommen, steuert der Landwirt die äußere „Bahn“ an. Er fährt bereits mit Schleppschuhverteiler, mit dem – im Gegensatz zur alten Variante des „Breitverteilers“ – die Gülle gezielter an den Boden gebracht werden kann.
Wachtendorf klappt die Verteilerstangen hinten am Güllewagen aus, bis sie auf dem Grund liegen. Durch die Schläuche wird die Gülle bodennah ausgebracht. Die sogenannten Schleppschuhe ritzen in die Erde und sorgen dafür, dass die Flüssigkeit schnell einziehen kann. Mit dieser Methode gibt es laut Wachtendorf weniger Stickstoffverluste und die Geruchsbelästigung ist geringer. Ab 2025 ist das Pflicht für die Landwirte in der Wiesenwirtschaft, ab 2020 bereits in der Ackerwirtschaft.
Schon nach eineinhalb Bahnen ist das Güllefass leer. Zwei Mal müsse er jetzt noch fahren, um das ganze Feld abzudecken, so Wachtendorf – zusammen wären das etwa 15 Kubikmeter, schätzt er. Insgesamt darf der Landwirt in diesem Jahr etwa 40 Kubikmeter Gülle pro Hektar ausbringen. Anfang des Jahres wird immer der Düngebedarf ermittelt. Der Boden soll nur so viele Nährstoffe erhalten, wie er braucht. Deshalb muss Wachtendorf etwa 500 Kubikmeter Gülle an einen Betrieb in der Nähe abgeben. All das wird genau dokumentiert. „Gülle ist grundsätzlich nichts Schlechtes, nur in einigen Regionen ist sie ein Mengenproblem.“ Bis zum 1. November darf sie (für Grünland) ausgetragen werden, dann gilt die Sperrfrist bis zum Frühjahr. Für die Düngung im Ackerbau sind die Regeln grundsätzlich etwas anders.
Überschuss im Landkreis
Sieben Landkreise in Niedersachsen überschreiten nach dem aktuellen Nährstoffbericht für 2018 die Obergrenze für Stickstoff, sechs für Phosphat. Auch der Landkreis Oldenburg ist darunter. „Wir haben einen leichten Überschuss an organischem Dünger“, erklärt Bernhard Wolff, Geschäftsführer vom Kreislandvolkverband Oldenburg. Teile des Landkreises würden zum „roten Gebiet“ gehören, darunter auch Hude.
Grund hierfür sei laut Wolff eine erhöhte Nitratbelastung des oberflächennahen Grundwassers, das in fünf von etwa 200 Messstellen des Landkreises nachgewiesen wurde. Er sagt auch: „Seit der neuen Düngeverordnung 2017 hat sich viel verändert. Die Landwirte haben sich an die geänderten Anforderungen angepasst. Das wird sich noch im Laufe der Jahre bemerkbar machen.“
