HUDE - Die Sechzehnjährige habe ihre Aufgabe hervorragend gemeistert, lobt Traute Weigand. Dennoch scheuten sich viele Betriebe, Behinderte einzustellen.
Von Janina Meyer
HUDE - „Ich bin schon traurig, dass das vorbei ist. Das hat so einen Spaß gemacht“. Natalie Abels Augen leuchten, wenn sie von ihrem Arbeitsplatz auf Zeit spricht. Die Sechzehnjährige besucht die Förderschule für Lernen und geistige Entwicklung in Hude und hat gerade ein zweiwöchiges Praktikum im Lebensmittelgeschäft Weigand an der Schützenstraße absolviert. Trotz ihrer geistigen Behinderung habe sie ihre Aufgabe ganz hervorragend gemacht, lobt Traute Weigand, die zusammen mit ihrem Ehemann Andreas das Geschäft führt.Natalie ist nicht die erste Schülerin einer Förderschule, die bei ihr im Laden Berufsluft schnuppern durfte. „Für mich persönlich ist es wichtig, dass diese jungen Menschen erfahren, was sie auf dem freien Arbeitsmarkt erwartet“, sagt Traute Weigand, deren Sohn mit Nathalie zusammen eine Klasse besucht. Und das hieß schon mal, richtig „mitanpacken“ zu müssen. Circa 35 Stunden in der Woche hat die Sandkrugerin gearbeitet. „Morgens musste ich erstmal draußen das Gemüse aufbauen“, berichtet die Schülerin von ihren Tätigkeiten. Zudem musste der Eingang der Zeitungen und Zeitschriften kontrolliert werden. Dann ging es ans Auszeichnen und Einräumen der neuen Ware. Auch der Kontakt mit den Kunden kam während ihrer Arbeit nicht zu kurz. Neben dem Kassieren im Markt standen an jedem Donnerstagnachmittag Hausbesuche auf dem Programm. Dann werden nämlich die Kunden beliefert, die nicht mehr selbst in den Laden kommen können. „Dabei lernt man viele Leute kennen,“ ist Natalie begeistert.
Obwohl sie bei ihren Tätigkeiten ab und zu noch Hilfestellungen benötigt, ist Traute Weigand voll und ganz zufrieden mit ihrer Praktikantin. Sie würde sich wünschen, dass mehr Firmen den Mut zeigten, einen behinderten Menschen einzustellen. „Sie sollten eine Chance bekommen, sich auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren“, findet auch Natalies Lehrerin Susanne Thielemeyer. Mindestens drei Praktika muss jeder ihrer Schüler in der Abschlussstufe absolvieren. Viele besuchen dazu eine gemeinnützige Werkstatt. Der Weg von einer Förderschule müsse aber nicht immer automatisch dorthin führen, macht Thielemeyer deutlich. Gerade Jugendliche, die „fitter“ sind, könnten gut eine Arbeit in einer „Nische“ auf dem freien Arbeitsmarkt – wie dem Familienbetrieb Weigand – annehmen „Die Schüler sind hochmotiviert, fleißig und lieb, das macht einfach Spaß“, schwärmt Traute Weigand. Sie bräuchten zwar eine intensive Betreuung aber die Schule arbeite eng mit den Firmen zusammen und lasse sie nicht alleine.
Dennoch scheuten sich viele davor, Behinderte einzustellen. Zu unrecht, wie Traute Weigand und Susanne Thielemeyer betonen.
Denn wie gut so eine Zusammenarbeit funktionieren kann, beweist Natalie. Auch an für sie schwierige Aufgaben habe sie sich heran getraut und selbständig gearbeitet, lobt Weigand. „Viele Firmen sind absolut überrascht von den Fähigkeiten unserer Schüler“, freut sich auch Thielemeyer über diese Erfolge.
