HUDE - Wilfried Schomäker, in der Region als langjähriger Geschäftsführer des Standortes Hude der Amazonen-Werke (Hasbergen) bekannt, ist selbst zum Unternehmer geworden: Er erwarb den Oberflächenspezialisten L&P Beschichtungen GmbH in Hilkenbrook (Kreis Emsland) – und legt ein rasantes Wachstum vor. „Das ist genau das Richtige für mich“, freute sich Schomäker in einem Gespräch über sein Hilkenbrooker Projekt.

Der 62-Jährige aus Bad Zwischenahn wird sich der neuen Firma in Kürze vollständig widmen. Er war – wie berichtet – 2009 für eine kurze Zeit von Amazone zur Maschinenfabrik Atlas Weyhausen nach Wildeshausen gewechselt, aber bei Amazone u.a. noch zuständig für das Frankreich-Geschäft. Diese Funktionen laufen nun aus.

Der Betrieb, den Schomäker nach einer Insolvenz erwarb, hat alle Hände voll zu tun. Die Kapazitäten seien „randvoll ausgelastet“, sagte er. Nach dem tiefen Einbruch des Fahrzeugbaus 2008/2009 sei der Auftragseingang in der Branche in den letzten Wochen „geradezu unheimlich“. Davon profitiere auch der Zulieferer L&P.

Er beschichtet zum Beispiel Kühlergitter für Mercedes, John Deere und Claas und eine Vielzahl weiterer Fahrzeug- und Maschinenbauteile aus Stahl und Aluminium. Je nach Kundenwunsch erhalten diese eine mechanische Vorbehandlung durch Strahlen mit feinen Stahlkugeln. Nach anschließender chemischer Reinigung und Zinkphosphatierung wird durch eine kathodische Tauchlackierung (KTL) ein hochwertiger Korrosionsschutz aufgetragen. Die abschließende Pulverbeschichtung, im Farbton nach Kundenwunsch, wird mit 200 Grad eingebrannt.

Kunden sind nicht nur große Konzerne, sondern vorrangig regional ansässige Mittelständler wie die Friedrich Gaepel AG (Löningen), Atlas (Ganderkesee) oder MBB/Palfinger (Hoykenkamp). Schwerpunkt-Branchen sind u.a. Autoindustrie, Schwerindustrie, Maschinenbau und Windenergieanlagenbauer. Wichtig: Das Institut für Korrosionsschutz Dresden erteilte eine Freigabe nach DIN 12944-6 C5M, so Schomäker. Somit würden die höchsten Anforderungen der Windenergieanlagenhersteller für den Offshore-Bereich erfüllt. Qualitätsmanagement nach DIN ISO 9001/2008 und Umweltmanagement nach DIN ISO 14001 seien ebenfalls Voraussetzung für anspruchsvolle Kunden.


Die 65 festen Mitarbeiter und rund 40 zusätzlichen Kräfte bei L & P sind derart ausgelastet, dass Schomäker bereits über ein Drei-Schicht-System nachdenkt (bisher zwei). Das müsse jetzt „möglichst schnell“ umgesetzt werden. Die zehn Millionen Euro Umsatz, die frühere L&P-Lacktechnik GmbH & Co. KG vor der Insolvenz erreichte, dürften unter dem neuen Management wohl bald überschritten werden. Strukturen für eine Expansion sind auf dem 50 000 Quadratmeter großen Gelände vorhanden.

Bei Schomäker, der sich auch im Vorstand des Arbeitgeberverbandes Oldenburg und in der IHK engagiert, ist jede Menge Tatendrang zu spüren. Gute Kontakte hat er aus seinen früheren Funktionen. Zurzeit noch Alleingesellschafter, wird er zum Jahresende Anteile abgeben. Wer weiß, vielleicht findet der 62-Jährige dann auch wieder mehr Zeit für sein Hobby – das Segeln mit der H-Jolle auf dem Zwischenahner Meer.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)