HUDE - Der „Kuhpol“ verliert endgültig seine Anziehungskraft: Die Gemeindeverwaltung spricht sich erstmals öffentlich für einen Ausstieg aus dem Projekt aus. Für die Sitzung des Wirtschaftsausschusses, der sich am Donnerstag, 14. April (ab 17 Uhr im Rathaus), mit dem Thema befasst, empfiehlt die Verwaltung in ihrem Beschlussvorschlag, die Realisierung des Projekts in Wüsting nicht mehr weiterzuverfolgen. Eine Umsetzung der Konzeption sei aufgrund der finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde Hude nicht gegeben.

Hinter dem „Kuhpol“ verbirgt sich ein Museums- und Veranstaltungszentrum, mit dem die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen (LVN) der Kuh ein Denkmal setzen wollte. Die Gemeinde Hude hatte Anfang 2009 in Berlin in einem Standortwettbewerb den Zuschlag erhalten, war bei der Umsetzung des Konzeptes aber nicht vorangekommen. Im Juni vorigen Jahres hatte die LVN angekündigt, der Gemeinde mehr Zeit als die ursprünglich vorgesehene zweijährige Optionszeit, innerhalb derer die Umsetzung erfolgen sollte, zu gewähren. Trotz der damals schon bei Bürgermeister Axel Jahnz ausgeprägten Skepsis hatte LVN-Geschäftsführerin Kristine Kindler betont, Hude bleibe für die LVN erste Wahl. Nun muss die Milchwirtschaft wohl nach einem neuen Partner Ausschau halten.

Der Bewerbung der Gemeinde Hude lag eine Voruntersuchung durch ein Fachbüro zugrunde, das die Realisierungskosten auf 3,6 Millionen Euro geschätzt hat. Bei der Berechnung der Folgekosten wurde von einem jährlichen Defizit in Höhe von 30 000 bis 40 000 Euro ausgegangen.

Unklarheit hat offenbar bis zuletzt darüber geherrscht, in wie weit der in einem Ideenwettbewerb erfolgreiche Siegerentwurf zur Umsetzung kommen muss. Platz eins belegten Lars Beckmann (Bad Salzuflen) und Philip Wiechern (Detmold), die das Denkmal in Form von zwei zu unterschiedlichen Zeiten fallenden Milchtropfen gestalten wollten: Der erste Tropfen sollte den 17,5 Meter hohen Kuhpol bilden, der zweite Tropfen wird laut Entwurf als Gebäude für ein „Mehrwertzentrum“ rund um die Milch genutzt. Die Umsetzung dieses extravaganten Entwurfs hätte aus Sicht der Gemeindeverwaltung noch wesentlich höhere Investitionskosten – die Rede ist von mindestens einer Million Euro zusätzlich – verursacht.

Trotz mehrmaliger Nachfrage der Gemeinde habe die LVN zu dieser Problematik keine abschließende Aussage getroffen, kritisiert die Verwaltung. Hude habe von Anfang an deutlich gemacht, dass keine direkten finanziellen Leistungen durch die Gemeinde erbracht werden könnten. Es sei nicht realistisch, dass Sponsorenmittel in dieser Größenordnung eingeworben werden könnten.


Eine politische Mehrheit für den Ausstieg kann als gesichert gelten: Die FDP hat dazu bereits einen entsprechenden Antrag gestellt. Lediglich die CDU als Initiatorin der Huder Bewerbung sieht keinen „Handlungsdruck“.