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RENNBAHN Mechaniker und Fahrer in einer Person

HUDE - Slotcar-Racing ist ein großes Vergnügen im kleinen Maßstab. In Hude gibt es seit zehn Jahren einen Club, der diesem Hobby frönt.

Von Stephan Onnen

HUDE - Wer als Kind schon mal mit einem schweißnassen Drücker in der Hand sein Auto durch die Plastiksteilkurve einer kleinen Carrerabahn hat rasen lassen, gerät beim Betreten des „Boxen-

stops“ im Huder Gewerbegebiet „Zur Burg“ ins Staunen: Am Kommandostand des von Wolfgang und Anita Winkler geleiteten Modellrennbahncenters stehen Leute mit „Benzin im Blut“. Die Boliden fest im Visier wippen sie mit Kopf und Körper, als säßen sie selbst am Steuer und müssten sich gegen plötzliche Fliehkräfte wehren.

Die Rennstrecke der speziell angefertigten Holzbahn misst 34 Meter und geht über Berg und Tal. Am Streckenrand findet man alles, was auch sonst zu einem richtigen Rennen gehört. Fans auf der Tribüne, eine Boxengasse und Streckenposten. Jede der sechs Spuren hat eine eigene, regelbare Stromversorgung. Die Zeiten der im Maßstab von 1:32 oder 1:24 gebauten Schlitzpisten-Flitzer werden auf die Hundertstel-Sekunde genau mit Lichtschranke computergestützt festgehalten. „Eine sehr gute Runde schafft man in 7,1 Sekunden“, weiß Volker Jacobs.

Der 48-jährige Huder ist seit der Eröffnung des Renncenters im Jahr 2000 Slotracing-Fan. „Zuerst stand ich mit einer Mischung aus einem Fragezeichen im Blick und großer Begeisterung davor“, erinnert sich Jacobs. Doch nachdem er sich beim übernächsten Clubabend – die Huder Slotracing-Freunde treffen sich jeden Freitag ab 19 Uhr – nach vorne gewagt hatte, „ging alles ganz schnell.“ Heute hat er etwa 40 Rennwagen, davon 15 selbst gebaute Modelle. Sein bestes Stück ist 1956-er Jaguar C, der im Original in Le Mans am Start war und „eigentlich viel zu schade ist, um auf der Bahn zu fahren.“


Krachen tut es auf der Strecke häufiger. Denn die bei Carrera-Rennern üblichen Magnete, die die Wagen auf der stromführenden Litze halten, sind bei den Slotcar-Profis tabu. „Sonst kann man kein richtiges Fingerspitzengefühl am Drücker entwickeln“, sagt Jacobs. Wer zum ersten Mal ohne Magnete fährt, hoppelt mit seinem Wagen „wie ein Känguru“ über die Piste. Wenn ein Rennauto aus der Kurve getragen wird, greift sofort ein leibhaftiger Streckenposten ein und ruft zur Warnung, auf welcher der mit Punkten farblich gekennzeichneten Spuren Gefahr droht: „Achtung, blau!“

Im Fahrerlager am Rande der Bahn herrscht Hochbetrieb: Die Miniatur-Autos werden in Rennpausen fachkundig repariert oder präpariert. Messinggewichte sorgen dafür, die Straßenlage zu verbessern. Um die „letzten Zehntel herauszuholen“, werden die Reifen geschliffen. „Wer die Reifen konisch schleift, erzielt eine höhere Kurvengeschwindigkeit“, berichtet Volker Jacobs. „Wir sind Konstrukteur, Boxenmechaniker und Fahrer in einer Person.“

Im Club wird in sechs verschiedenen Klassen um Punkte und Meisterschaften gefahren – von der Einsteigerklasse mit Carrera-Wagen bis hin zur Scale-Klasse mit Rennboliden, die das selbst gebaute und lackierte Abbild eines historischen Vorbildes darstellen und die „normalen“ Modellbausätze nur noch als Basis verwenden.

Rund 25 Mitglieder zählen die „Slotracing-Freunde“, die längst nicht nur aus Hude, sondern aus dem gesamten Raum Weser-Ems und Bremen kommen. Zu den Gründern vor zehn Jahren zählt „Boxenstop“-Betreiber Wolfgang Winkler. Vorher fanden die Clubabende in seinem Keller statt. Dort befindet sich noch immer eine über 30 Meter lange Vier-Spur-Bahn, auf der der Club stets am zweiten Juni-Wochenende parallel zum Rennsportklassiker von Le Mans ein Sechs-Stunden-Rennen austrägt. Mit dem Rennbahncenter hat sich der 49-jährige Polizeibeamte einen Kindheitstraum verwirklicht: „Ich hab’ als Achtjähriger meine erste Carrera-Bahn bekommen.“

Im Rennbahncenter werden Kindergeburtstage mit Motorsound gefeiert

Slot

kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Schlitz. Bei Slot-Bahnen werden die Autos durch einen Führungsschlitz, eben den Slot, geführt und in der Spur gehalten. Die Stromübertragung erfolgt über Strombahnen auf der Schiene und im Schleifer am Fahrzeug. Ein Führungsstift zwischen den Vorderrädern im Fahrzeugboden hält das Auto in der Spur und sorgt dafür, dass Fahrzeug-Schleifer und Stromschienen der Fahrbahn Kontakt miteinander haben.

Das Rennbahncenter

Hude (Zur Burg 3) von Wolfgang und Anita Winkler ist mittwochs und freitags von 15 bis 19 Uhr, sonnabends von 10 bis 14 Uhr sowie sonntags (von Anfang Oktober bis Ende April) von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Besonders beliebt ist die Bahn für Kindergeburtstage – das Renngeschehen wird über die Lautsprecher von echtem Motorsound untermalt. Auskünfte gibt es unter

04408/80 99 47.

Mehr Infos unter www.

rennbahncenter-hude.de

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