HUDE - Der 61-Jährige ist Imker. Beginnt die Kastanienblüte, macht er sich mit seinen Bienen auf den Weg in den Schwarzwald.

von Thomas Bücher

HUDE - Alles begann 1978. Da flog Friedrich Hübenthal ein Bienenvolk zu. Er entschloss sich, das Volk zu behalten und mit dem Bienenzüchten anzufangen. Doch das Interesse für Bienen liegt in der Familie. Schon sein Großvater war Imker.

Im Laufe der Zeit wurde das Hobby immer umfangreicher. Als der 61-Jährige vor zwei Jahren schließlich in den Vorruhestand ging, nahmen die Bienen einen größeren Raum in seinem Leben ein. „Weil ich mehr Zeit habe, kann ich jetzt mein Hobby etwas intensiver betreiben.“ Hübenthal ist ein so genannter Wanderimker. Wanderimker bereisen mit ihren Bienen unterschiedliche Gegenden, um so mehrere so genannte Trachten für den Honig zu nutzen. Das Wort „Tracht“ bezeichnet in der Imkerei die von der Honigbiene eingetragene Nahrung. Unterschiedliche Pflanzen wachsen nicht nur an unterschiedlichen Orten, sie haben auch unterschiedliche Blütezeiten. Und das macht sich der Wanderimker zu eigen.

Die Idee dabei: Da, wo es blüht, werden die Bienen „stationiert“. Um möglichst unterschiedliche Sorten Honig zu erwirtschaften, setzt Hübenthal seine Völker abhängig von der Saison an bestimmte Standorte in Deutschland. Etwa in die Akazienblüte in Brandenburg, in die Edelkastanienblüte in der Pfalz oder in den schleswig-hosteinischen Raps.

Zurzeit ist das Ehepaar Hübenthal damit beschäftigt, den Rapshonig zu schleudern. Doch die Zeit drängt. Bald muss Hübenthal seinen Anhänger wieder mit Bienenvölkern beladen und mit den fleißigen Arbeiterinnen den weiten Weg in den Schwarzwald fahren.


Keine leichte Aufgabe. „Wir müssen warten bis es Abend ist, die Bienenkästen verschließen und dann sofort losfahren“, erläutert Hübenthal. Nur solange es dunkel ist, sind die Bienen transportfähig. Gegen Morgen werden sie unruhig und beginnen aktiv zu werden.

Durch das Wandern ist der natürliche Rhythmus des Volkes zerstört. Bei solchen Transporten besteht die Gefahr, dass ganze Völker verloren gehen. Weil die Kästen verschlossen sind, können die Bienen nicht ventilieren. Es kommt also keine kalte Luft in das Nest und die Bienen überhitzen. „Das ist also nicht nur für die Bienen, sondern auch für den Imker sehr stressig.“

Angst vor den schmerzhaften Bienenstichen hat Hübenthal allerdings nicht. „Es ist schon vorgekommen, dass ich an einem Tag 20 Stiche abbekommen habe“, sagt er und lächelt. Doch die Regel ist das nicht. Er ist bemüht, sanftmütige Völker zu züchten.

„Im Grunde muss sich niemand Sorgen machen, gestochen zu werden“, beruhigt der 61-Jährige. „Bienen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen.“ Wenn jemand die Nestruhe stört, empfinden die Bienen das als Bedrohung. Doch das gehört zur Arbeit des Imkers dazu...