HUDE - „Als wir das Haus gesehen haben, haben mein Mann und ich sofort gesagt: Das nehmen wir“, berichtet Helene Schlegel. Seit 1977 ist das Haus in der Parkstraße Nummer 58 im Besitz des Ehepaars aus Delmenhorst. Der Stil des Hauses habe ihnen so gut gefallen, berichten sie. Besonders die zwei Balkone, die zur Straße hin die Fassade zieren, haben es Helene Schlegel angetan. In der ersten Bauausführung war allerdings nur der Balkon im ersten Stock bereits vorhanden. Der Balkon und der Erker im Dachgeschoss wurden nach 1920 ergänzt.
Erbaut wurde das Haus im Jahre 1907 von Maurermeister Würdemann im Auftrag des Malers Bernhard Friedrich Behrens. Damals gehörten die Grundstücke Parkstraße 56 und 58 noch zusammen.
Die Besitzverhältnisse waren kompliziert: Auf dem Grundstück Nummer 56 hatten 1906 bereits Georg Johann Segelken und seine Frau Sophie, eine geborene Behrens, gebaut. 1908 übernahm Bernhard Behrens auch dieses Haus, verkaufte es aber ein Jahr später wieder. Nach seinem Tod ging das Haus Parkstraße 58 in den Besitz von Sophie und Georg Segelken über. Diese vererbten das Haus 1938 an ihre Tochter Erna Segelken und ihren Mann Rudolf Wilhelm. Als das Ehepaar Schlegel das Haus 1977 erwarb, wohnte mit Gertrud Suhr noch eine Tochter von Sophie und Georg Segelken in dem Haus. „Sie genoss lebenslanges Wohnrecht, und wir hatten ein sehr gutes Verhältnis“, erinnert sich Helene Schlegel. Lange Zeit hatte Gertrud Suhr, damals noch Bollow, in dem Haus in der Parkstraße ein Geschäft für Hüte – Putzwaren, wie man damals sagte. Ihr Mann Karl Bollow verkaufte bis 1937 im gleichen Haus Schuhe. Auf ihn folgten noch drei weitere Schuhgeschäfte, bevor über viele Jahre hinweg das Farben- und
Tapetengeschäft Wolfgang Nehring im Haus untergebracht war.
Aber nicht nur im Erdgeschoss, auch im Keller waren im Haus Nummer 58 früher Geschäfte ansässig. Unter anderem ein Gemüsegeschäft und Milchläden. Damals waren die Schaufenster noch mit einem Gitter abgesperrt, da auch die Geschäfte im Keller über große, in die Erde ragende Glasfenster mit Licht versorgt wurden. Die Kellertreppen, die an der Seite des Hauses in die Geschäfte hinabführten, mussten nachts mit einer Kette gesichert werden, damit niemand hinabstürzte. Dies passierte Bernhard Helmers, der bis 1963 ein Schuhgeschäft in den oberen Ladenräumen hatte, als er nach einem Skatabend ein Haus zu früh abbog, erinnert sich Manfred Mönning, an die Erzählung seines Vaters, dem das Nachbarhaus Parkstraße 56 seit 1912 gehörte. Etwas bis 1955 gab es die Geschäftsräume im Keller des Hauses. Die Läden waren ungefähr vier mal drei Meter groß, erinnert sich Manfred Mönning, der als Nachbarskind zum Milchholen in den Laden kam.
Bei den Renovierungsarbeiten im Innern und an der Fassade hat sich das Ehepaar Schlegel bemüht, den Stil beizubehalten. Es wurden zwar moderne Fenster eingesetzt, aber Sprossenelemente gewählt, die zum Haus passen.
