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Serie Gastfreundschaft hat hier Geschichte

Anna Zacharias

HUDE - stellt markante Häuser in der Gemeinde Hude und ihre Geschichte vor.

Ihr Elternhaus übernommen zu haben, hat Heike Guschmann nicht bereut. Seit 1984 ist sie Besitzerin des 132 Jahre alten „Haus am Bahnhof“ und betreibt die Gaststätte in den unteren Räumen. „Zwischendurch war das Gebäude verkauft, aber ich habe es nach kurzer Zeit wieder zurückgekauft. Ich habe gemerkt, dass es mir doch zu sehr am Herzen liegt“, erzählt sie.

Gebaut wurde das Haus 1878 von Johann Hinrich Wachtendorf. Zu dem Grundstück zählten zu Wachtendorfs Zeiten die Gebäude Parkstraße 2 und Auf der Nordheide 1, 3, 5 und 7. „Das Grundstück war durch den Bau der Bahn und des Bahnhofs schon 1865 geteilt worden. Von der Abfindung konnte Wachtendorf das Haus am Bahnhof bauen, mit Tanzsaal im Obergeschoss“, erzählt Manfred Mönning, ein Kenner der Huder Ortsgeschichte.

Fahrt zu Wachtendorfs Ball

Der Unternehmer habe auf dem Gelände eine Bäckerei, einen Laden, einen Gasthof und Stallungen unterhalten. Fahrkarten nach Hude wurden am Schalter mit „Einmal Wachtendorfs Ball?“ gekauft, denn auf beiden Seiten betrieb dieser Gaststätten.

Nachdem das Grundstück von 1894 bis 1898 im Besitz von Georg Lammers war, über den nicht viel überliefert ist, erwarb es Hermann Gerhard Heinemann. Der Unternehmer aus Neuenwege zog mit seiner Frau Becke Wichmann aus Oberhausen nach Hude. Bereits ein Jahr später verstarb sie. Den Tanzsaal im Obergeschoss des Hauses an der Parkstraße 2a baute er zu Fremdenzimmern um. Der neue Saal wurde hinter dem Haus angebaut, der auch heute als solcher genutzt wird.


„Das war im Jahre 1900“, sagt Guschmann. „Die Fremdenzimmer nutzen wir als Teil unserer Wohnung. Im hinteren Teil hatte unsere Tochter eine kleine eigene Wohnung, jetzt wohnt sie im Anbau.“

Im Jahre 1905 hatte der erste Huder Arzt, Dr. Förster, sein Pferd und seine Kutsche für Landtouren untergestellt. Im Herbst 1946 war im Saal des Hauses ein Kino „Huder Lichtspiele“ eingerichtet worden. Im Stallgebäude gab es zu der Zeit einen bewachten Fahrradstand. Auch der Huder Schützenverein hatte einen Schießstand auf dem Gelände, dort, wo jetzt Guschmanns Tochter wohnt.

Im Jahr 1909 kaufte Arnd Hinrich Tönjes die Gebäude und übernahm die Gaststätte von Heinemann. „Mein Großvater war ab 1905 bei Heinemann angestellt und pachtete von 1908 bis 1912 in der linken Haushälfte Laden und Bäckerei. Er erzählte, dass die Viehhändler bei Heinemann das Geld für ihre Einkäufe ausgezahlt haben. Die Verkäufer haben im Gasthof so lange gewartet, bis das letzte Stück Vieh gekauft war und tauschten die neuesten Nachrichten aus“, erzählt Mönning.

„Meine Eltern Else und Heinz Drake hatten das Haus vor ungefähr 40 Jahren von der Tönjes-Erbin Emma Tönjes gekauft“, sagt Guschmann. Die Gebäude Auf der Nordheide 1 und 3 wurden von der Volksbank im Jahre 1958 gekauft und erweitert. Dort waren zuvor mehrere kleine Geschäfte untergebracht und bis 1953 auch die Huder Feuerwehr.

Kauf der ersten langen Hose

Gästeführerin Edeltraut Wachtendorf verbindet mit dem historischen Haus die Erinnerung an das Textilgeschäft „Drieling“, welches sich in der linken Haushälfte befand. „Dort habe ich meine erste lange Hose gekauft. Das muss so ab dem Jahr 1946 gewesen sein“, sagt sie.

Heike Guschmann und ihr Mann Franz Slemenschek fühlen sich wohl in ihrem geschichtsträchtigen Heim. Die „Concession zur unbeschränkten Gastwirtschaft“, die Heinemann ausgestellt wurde, hängt im Lokal aus. Der Saal macht seiner Bestimmung heute noch alle Ehre: gefeiert wird dort mindestens so fröhlich wie im Jahre 1900.

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