HUDE - Ein schönes altes Haus. Das denken wohl die meisten Huder Passanten beim Anblick des roten Ziegelbaus an der Parkstraße. „Und es stimmt nicht“, sagt Axel Schwirtz. „Es ist kein altes Haus, sondern erst 17 Jahre alt. Das merkt man jedoch meist erst auf den zweiten Blick.“

Möglich machte diese Täuschung Bauherr Ralf Mehrings. 1991 wurde der Vorgängerbau des Hauses auf dem Grundstück abgerissen, doch nicht, ohne vorher von allen weiß verputzten Elementen der Fassade einen genauen Gipsabdruck zu nehmen.

„Das war sehr aufwendig. Doch es hat sich gelohnt. Das neue Haus sieht nun fast genauso aus wie das alte, nur ist es um ein Stockwerk höher geworden. Die Verbindung von Ziegeln und weißem Putz an dem Gebäude ist der typische Oldenburger Baustil“, erzählt Schwirtz, der mit seiner Familie über seiner Apotheke auf zwei Etagen im Dachgeschoss wohnt. Selbst der Winkel des Dachgiebels sei gleich geblieben.

Im Inneren ist das Haus unverkennbar modern angelegt. Zum gemütlich ausgebauten Dachboden führt eine steile Treppe, alle Zimmer sind hell und freundlich. Auch in der Apotheke erinnert nichts an das historische Äußere.

Die traditionelle Gliederung der Fassade sei fast genau erhalten geblieben, sagt Schwirtz. „Die Fenster zum Beispiel sind genauso breit wie damals.“ Übernommen wurde auch das kleine Rundfenster im Giebel. „Das ist noch das Speicherrundfenster vom ersten Haus. Von innen haben wir einfach eine Thermo-Glasscheibe mit Eisblumenmuster dagegengesetzt. Leider fehlt uns das Gegenstück für die Hinterseite des Hauses, das wurde kurz vor dem Abriss gestohlen.“


Entfernt werden musste das alte Gebäude aufgrund einer erheblichen Schädigung der Bausubstanz. „Das Fundament bestand nur aus großen Findlingen, die einfach in den nassen Sand gesetzt worden waren. Damals war hier ein Feuchtgebiet. Heute nicht mehr, und deshalb hatten die Steine keinen Halt“, erklärt Schwirtz. Unter Denkmalschutz stand der Bau nicht, trotzdem hätte es im Ort Proteste gegen den Abriss gegeben. „Das Haus gehörte eben lange zum typischen Bild der Parkstraße.“

Umso besser, dass der Neubau so gut gelungen ist, findet der Apotheker. „Das Haus ist ein sehr beliebtes Foto-Motiv für Touristen. Ich sehe oft Menschen stehen bleiben und staunen.“

Stolz ist Schwirtz auch auf die alten Bäume vor dem Gebäude. „Eine Magnolie und eine seltene Bergulme, eine Pflanze, die in Europa mittlerweile vom Aussterben bedroht ist.“ Umgeben sind die beiden Bäume von einem kleinen Wall aus runden Steinen. „Wie eine Ruhezone angelegt, ganz typisch für das Oldenburger Land“, so Schwirtz. „Im Sommer steht eine Bank darunter.“

Beide Bäume standen auch schon vor dem alten Haus, das im Jahr 1903 von Hinrich Friedrich Elimar Meynen erbaut worden war. 1932 erbte es seine Tochter Antonia Gesine Willenbork. Im Jahr 1990 verkaufte es deren Erbengemeinschaft dann an Ralf Mehrings. „Der Garten war damals ziemlich verwildert, und wir mussten die Magnolie und die Ulme gründlich beschneiden lassen. Heute machen die beiden Bäume den Vorplatz zu etwas ganz Besonderem. Besonders die Blütenpracht der Magnolie ist schön“, findet Schwirtz. Hinter dem Haus befindet sich kein Garten. „Früher war alles Acker, heute stehen dort andere Häuser“, erzählt der Apotheker.

Auch in Zukunft werden sicher Passanten innehalten und das alte, neue Haus bewundern. Axel Schwirtz wird sie gerne aufklären.