HUDE - Wohl kaum ein Haus in Hude wirkt majestätischer als die weiße Villa an der Vielstedter Straße 43 – das hinter großen Eichen stehende Haus ist ein Blickfang am Huder Ortseingang. Eine breite Freitreppe überbrückt das hohe Sockelgeschoss und führt auf eine säulengerahmte Veranda. „Haus Waldfrieden“ ist neben dem Eingangsportal zu lesen. Im Garten befindet sich eine Findlingsgrotte, die ebenso wie die meisten Bäume unter Naturschutz steht. „Ein bisschen zuckerbäckerisch angehaucht“ findet Eigentümerin Ulrike Janz-Janzen das Haus, obgleich es sich bei dem 1907 erbauten Gebäude trotz einiger typisch „verspielter“ Schmuckelemente an der Fassade um keine „astreine Jugendstilvilla“ handelt.

Eleonore von Witzleben hatte das Landhaus vor rund 100 Jahren errichten lassen – bis heute hat sich äußerlich wenig an der denkmalgeschützten Villa verändert.

Seit 1977 gehört die Immobilie Ulrike Janz-Janzen und Gerd Janzen. Das Haus hatte den gebürtigen Huder schon immer fasziniert, seit dem großen Sturm von 1972 ermöglichten die vielen umgeknickten Bäume einen noch besseren Blick auf das schmucke Gebäude. „In diesem Haus zu wohnen – das wär’s“, dachte sich das junge Paar – beide waren Architekturstudenten – bereits damals. Dass ihr Traum fünf Jahre später wahr wurde, kam „überraschend und völlig ungeplant“, berichtet sich Ulrike Janz-Janzen. 1977 wurde per Annonce in der NWZ eine „alte Kapitänsvilla im Eichenwald“ offeriert – dieses Angebot entpuppte sich als die „Villa Waldfrieden“. Zwei Tage später fand man sich vor dem Notar wieder. „Der Vorbesitzer, Herr Duje-Siefken, war nach Braunschweig gezogen. Er war froh, das Haus an Huder verkaufen zu können“, erinnert sich Ulrike Janz-Janzen. Sie selber war damals 24 – für sie und ihren ein Jahr älteren Mann war es ein „Riesen-Wagnis“, das Haus mit geliehenem Geld zu kaufen.

Bereut haben sie diese Entscheidung zu keiner Sekunde – auch wenn es noch einige Zeit dauerte, bis sie nach aufwendigen Sanierungsarbeiten Weihnachten 1982 einziehen konnten. „Wir haben ein Jahr lang rund um die Uhr renoviert“, sagt Gerd Janzen. Mit den neuen Eigentümern waren indes „Leute vom Fach“ am Werk: Ulrike Janz-Janzen hat sogar ihre Studienarbeit über das Haus geschrieben, ihr Mann Gerd, ebenfalls studierter Architekt und obendrein gelernter Maurer, spezialisierte sich später auf alte Handwerkstechniken und Arbeiten in der Denkmalspflege. „Hier fand die planende und ausführende Seite optimal zusammen“, sagt Ulrike Janz-Janzen.

„Original“ erhalten geblieben sind ein Aufzug in der Speisekammer, verschnörkelte Gussgeländer im Treppenhaus und eine Schiebetür mit Jugenstil-Beschlägen im Esszimmer, die das Ehepaar im angrenzenden Scheunengelände zwischen Stroh und Heuwagen entdeckt hatte. 105 Quadratmeter Wohnfläche bietet das Haupthaus, auf 100 Quadratmetern im Obergeschoss leben die Eltern von Ulrike Janz-Janzen. Hinzu kommen 140 Quadratmeter im Scheunengebäude, das für beiden Söhne Jos-Fokke (18) und Jan-Renke (21) ausgebaut wurde, sowie 60 Quadratmeter Bürofläche im Keller. Neufundländer „Puschkin“ und Scotch Terrier „Bailey“ komplettieren die Hausgemeinschaft.


Beendet ist das Neuausstatten und Renovieren nie: „Dieses Haus ist ein ständiger Pflegefall“, weiß Gerd Janzen. Beklagen will sich der 55-Jährige deswegen nicht: „Das ist unser Hobby geworden und macht einfach Spaß.“ Seine Frau ergänzt: „Die Verpflichtung, so ein Bauwerk zu erhalten, ergibt sich aus unserem Beruf.“