HUDE - Wüste, Sand, Dschungel, riesige Moskitos und eine stetig brennende Sonne. Dies sind die Bilder, die die meisten Menschen im Kopf haben, wenn sie das Wort Afrika hören. Mike Kunz und Tammo Meyer haben den schwarzen Kontinent erlebt und mehr vorgefunden, als das Erwartete: vier Wochen lang reisten die Huder bei einer Spendenrallye rund 7500 Kilometer mit einem Transporter von Hude bis Gambia.
Was ist geblieben? Mike Kunz dreht sich im Bürostuhl seiner Firma für Nutzfahrzeuge in Hatten und zieht an einer Zigarette. Die Erinnerung an die Lebensfreude der Menschen, sagt der 40-Jährige. Ich habe keine Kinder gesehen, die traurig wirkten, dabei leben die Menschen dort in Zelten oder Hütten. Es seien oft Kleinigkeiten gewesen, die im Gedächtnis blieben. Etwa die stolzen Frauen des Senegal und ihre bunte Tracht. In der sie wie Farbtupfer wirkten, in einer Region der Welt, deren beeindruckende Landschaft auch von Schmutz und Verwahrlosung geprägt ist.
Am Ende der Reise besuchen Kunz und Meyer ein SOS-Kinderdorf in der gambischen Hauptstadt Banjul. Dem gegenüber ragt eine Mülldeponie in den Himmel. Dort brannte es häufig und der Wind trieb den Rauch meist zum Dorf hinüber, erinnert sich der Huder.
Bei einer Polizeikontrolle sollen die Huder 80 Euro Strafe zahlen, weil sie nicht angeschnallt sind. Dabei ist es ein alltägliches Bild dort, dass sich Menschen von außen an überfüllten Autos festklammern. Als ein Polizist hört, dass die Huder Hilfsgüter bringen, dürfen sie passieren der Mann selbst bekommt ein paar Kugelschreiber. Das ist dort das Bestechungsmittel schlechthin, sagt Kunz.
Der Kontinent Afrika funktioniert nach seinen eigenen Regeln. Kunz vergisst oft die Zeit, weiß nicht mehr, welcher Tag der Woche ist. Vieles relativiert sich, man sieht die Dinge mit anderen Augen.
Die letzten 2500 Kilometer bis Gambia sind die härtesten. Straßen wie Wellblech, manchmal brauche man fünf Stunden für 25 Kilometer. Geduscht wird mit 2,5 Litern Wasser pro Person, mehr kann der Transporter nicht laden. Man glaubt es nicht, aber es geht, meint Kunz.
Am Ziel in Banjul schauen sich die Huder verschiedene Projekte an, um die Hilfsgüter zu verteilen, darunter auch Trikots, gestiftet von Werder Bremen. Viele der Projekte scheinen aber unseriös.
Schließlich stoßen sie auf die 71-jährige Deutsche Uschi Heim, die unter dem Namen ihrer Heimatstadt Meschede drei Kindergärten betreibt. Eine bemerkenswerte Frau. Sie lebt dort ohne Strom und Wasser. Doch bevor sie etwas für sich nimmt, gibt sie es lieber den Kindern, erzählt Kunz. Auch ein Projekt zur Aufklärung von Frauen beim Thema Beschneidung wird neben anderen bedacht. In Afrika werden Frauen bei dem Eingriff oft verstümmelt
Zum Schluss wird auch der Transporter der Huder, der Gelbe Engel, für wohltätige Zwecke versteigert. Für 5500 Euro erhält ein Unternehmer den Zuschlag. Der Containeraufsatz wird abmontiert. Er wird einem Angestellten des Mannes als Behausung dienen. Kunz: Vieles dort würde man nicht glauben, wenn man es nicht gesehen hat.
Die
Spendenrallye führte von Hude aus über Marokko, Mauretanien, durch die Sahara, den Senegal, bis nach Gambia.Übergeben wurden am Ziel der Reise, der gambischen Hauptstadt Banjul, verschiedene Hilfsgüter an Projekte und Bevölkerung.
50 Sponsoren gaben Geld und Sachspenden.
