HUDE - Seit über 40 Jahren gibt es ihn schon, den Handwerker-Stammtisch in Hude, da ist sich Johannes Glass sicher. Er selber habe sich 1974 selbstständig gemacht und hätte ab diesem Zeitpunkt regelmäßig an der bereits bestehenden Handwerker-Runde teilgenommen. Früher fand der Stammtisch noch bei Burgdorf statt und begann bereits um 17 Uhr. „Zu der Zeit haben die Maurer pünktlich um 16.30 Uhr Feierabend gemacht“, so Glass augenzwinkernd. Und wenn die Handwerker um 19 Uhr noch da saßen, gab der Wirt ein Essen für jeden aus, erinnert er sich. Bei einem dieser Stammtische wurde seinerzeit auch die Idee geboren, einen Maibaum der Handwerker aufzustellen.

Seit über 40 Jahren wird nun der prachtvoll geschmückte Baum Jahr für Jahr am Vorabend des 1. Mai per Seilwinde aufgestellt. „Und solange es den Baum gibt, zieht ihn auch die Feuerwehr hoch“, erklärt Glass. Verziert wird das stattliche Holz mit einem Kranz, einem Birkenstrauch, einer Münze und den Innungszeichen der verschiedenen Handwerksberufe.

Franz Slemenschek erinnert sich an das allererste Mal: „Da hatte ich Angst, der Baum zieht den Feuerwehrwagen weg.“ Die Schilder waren zu der Zeit noch aus Sperrholz, der drei Meter im Durchmesser große Kranz musste vor Ort gebunden werden, weil er sonst nicht zu transportieren gewesen wäre.

Der erste Baum, der in schwindelerregender Höhe von 14 Metern über das „Haus am Bahnhof“ ragte, wurde lediglich in ein Stahlfundament geschraubt. In einem stürmischen Jahr neigte sich das Prachtstück zur Seite und stützte sich an der Hauswand ab. „Der Baum wurde durchs Fenster an meiner Heizung festgebunden und gesichert“ erinnert sich die jetzige Wirtin Heike Guschmann lachend, die damals im Obergeschoss ihr Kinderzimmer hatte.

In weiser Voraussicht wurde der Baum im Folgejahr dann um zwei Meter gekürzt und von da an in ein tieferes und stabileres Fundament gesetzt. Mit seiner stattlichen Höhe von 12,20 Metern und einem durchschnittlichen Durchmesser von 31 Zentimetern beträgt das Gesamtgewicht schätzungsweise insgesamt 600 Kilogramm. Auch bei den Zunftzeichen gab es Veränderungen: Sie sind mittlerweile leichtgewichtige Aluschilder, und auch der Kranz wird um eine Aluminium-Konstruktion gewunden, die in zwei Hälften transportiert werden kann und sich biegen lässt.


Der „neue“ Maibaum steht wieder wie eine „Eins“ neben dem „Haus am Bahnhof“ und ist bis Ende des Monats zu bewundern, bevor er wieder für ein Jahr verschwindet. Eine schöne Tradition, finden nicht nur die Huder Handwerker.