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Tierhaltung Im Erholungsort herrscht dicke Luft

Stephan Onnen

HUDE - Der geplante Neubau eines Putenmaststalls mit 21 000 Aufzuchtplätzen sorgt für Aufregung: Landwirt Joachim Strothotte möchte die Anlage, die eine Nutzfläche von 2070 Quadratmetern haben soll, an der Straße „Leckerhörne“ gegenüber der Kläranlage errichten. Alternativ sieht seine Planung vor, statt der 21 000 Mastputen in dem Neubau 10 000 Hennen und Hähne unterzubringen.

Der Standort des Neubaus ist etwa 175 Meter von der Huder Jugendherberge entfernt. Ebenfalls in der Nähe befinden sich das Waldstadion, das Naturschwimmbad und der Reitbetrieb Hinrichs. Die Nachbarn, die vom Bauordnungsamt des Landkreises informiert worden sind, versetzt das Projekt in Sorge: „Ich bin erschrocken über die Dimension des Stalls“, sagt die Leiterin der Jugendherberge, Kirsten Jensen-Gentsch. Zunächst einmal habe sie erfreut zur Kenntnis genommen, dass der Landwirt einen bestehenden Putenmaststall am Reiterweg, der mit einer genehmigten Kapazität von 4250 Hennen in direkter Nachbarschaft der Herberge liegt, zu einem Strohlager umwidmen will. Dass dafür im Gegenzug ein Neubau mit mehr als doppelter Kapazität entstehen soll, ist für sie ein Unding. Schon in der Vergangenheit sei die Geruchsbelästigung unerträglich gewesen.

Zum Betrieb des Landwirts gehören fünf weitere Stallanlagen. Drei befinden sich auf dem Hofgelände an der Kirchstraße mit einer genehmigten Kapazität von 6090 Mastputen. Zwei weitere Mastställe (einer davon befindet sich im Bau) mit jeweils 5000 Plätzen unterhält der Landwirt am Standort Leckerhörne.

Kritik an Konzentration

„Diese Konzentration ist völlig fehl am Platze. Auch der Klosterbezirk, das touristische Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde, hat darunter zu leiden“, sagt Kirsten Jensen-Gentsch: „So kann man den Titel Erholungsort, in den die Gemeinde viel investiert hat, und das Tourismus-Konzept, das der Gemeinderat einhellig beschlossen hat, vergessen.“

Jensen-Gentsch warnt vor den gesundheitlichen Auswirkungen der Intensivtierhaltung. Sie verweist auf eine Studie, die die Luftbelastung durch Bioaerosole und Keime nachweist. Ein gravierendes Problem sei auch die Entsorgung der Exkremente der Tiere, die auf den Feldern landen würden. Die Herbergsleiterin hat ebenso wie andere Nachbarn ihre Bedenken dem Landkreis mitgeteilt.


Geruchsgutachten

Bauordnungsamtsleiter Peter Nieslony hat Verständnis für die Anlieger: „Die Fragen verlangen nach Antworten.“ Die erhofft sich die Genehmigungsbehörde durch ein Geruchsgutachten, das von der Landwirtschaftskammer erstellt werden soll. „Wir stehen noch ganz am Anfang des Verfahrens“, betont Nieslony. Derzeit werde geprüft, ob die Antragsunterlagen vollständig sind. Erst wenn das der Fall ist, wird die Gemeinde hinzugezogen. Bei dem Neubau handelt es sich um ein privilegiertes Vorhaben im Außenbereich – innerhalb von zwei Monaten muss die Gemeinde dann erklären, ob sie ihr Einvernehmen erteilt. „Wenn alle gesetzlichen Auflagen erfüllt sind, müssen wir zustimmen“, sagt Bürgermeister Axel Jahnz. Der Landwirt habe einen Genehmigungsanspruch.

Entscheidende Bedeutung misst er dem Geruchsgutachten bei: „Das legt fest, was geht.“ Komme es zur Umsetzung der Pläne, werde es den alten Maststall, der in unmittelbarer Nähe der Jugendherberge liegt, nicht mehr geben. Jahnz ist überzeugt, dass eine Minderung der bisherigen Geruchsemissionen erreicht wird. „Es kommt zu einer Verbesserung für alle – etwas anderes würde ich nicht mittragen können.“ Peter Nieslony betont: „Den alten Stall stillzulegen, ist erklärtes Ziel des Antragsstellers.“

Bedenken

gegen den geplanten Putenmaststall gegenüber der Kläranlage macht der Kreisverband im Deutschen Jugendherbergswerk geltend. Vorsitzender Jürgen Boyn mahnt: „Wenn der neue Putenstall gebaut wird, ist zu befürchten, dass die Übernachtungszahlen der Jugendherberge stark zurückgehen. Dann ist auch nicht mehr auszuschließen, dass der DJH-Landesverband Unterweser-Ems die Jugendherberge Hude aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr betreiben wird.“

Kritisch äußert sich auch die Ratsfraktion der Grünen: Sie sieht in dem Neubau keine Verbesserung der Situation: „Die Belastungen für Mensch und Umwelt werden nicht geringer“, befürchtet Fraktionschefin Birte Wachtendorf. Man werde „genau hinschauen“, wie das Genehmigungsverfahren ablaufe.

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