HUDE - Die Kundin wollte nicht irgendeinen Sessel, sondern genau den, den sie in einem Fernsehwerbespot der Telekom entdeckt hatte. Der sah aus wie ein „Ei aus Kunststoff, das an die Wand gehängt war“, erinnert sich Lutz Harfst, Inhaber des Huder Möbelhauses Backhus. Nach einem halben Jahr vergeblicher Suche hatte sich die Frau an Harfst gewandt. Der konnte ihr das Designer-Stück schließlich tatsächlich besorgen. So viel Einsatz ist bei ihm kein Einzelfall, sondern Firmenphilosophie: „Für gute Kundenpflege und Beratung nehmen wir uns viel Zeit, das haben wir den Großen voraus“, sagt Lutz Harfst.
Der 41-Jährige hat den Betrieb 2004 gemeinsam mit seiner Frau Ina übernommen. Er führt das vor 100 Jahren von seinem Urgroßvater Wilhelm Backhus gegründete Familienunternehmen jetzt in der vierten Generation. Seine Eltern Jürgen und Anke stehen indes weiterhin gerne helfend zur Seite – sie hatten es ihrem Sohn „freigestellt“, ob er in ihre Fußstapfen treten wollte. „Da gab es keinen Zwang“, lacht Anke Harfst. Vor seinem Einstieg ins Geschäft, der bereits 15 Jahre zurückliegt, hat Lutz Harfst eine Lehre als Einzelhandelskaufmann in einem Cloppenburger Möbelhaus absolviert, danach besuchte er eine private Möbelfachschule in Köln, die er als Betriebswirt abschloss – aus dieser Zeit rühren beste Kontakte in der Branche, die auch bei der Beschaffung des eiförmigen Designersessels geholfen haben.
Wilhelm Backhus hatte im Mai 1909 die Basis für das Familienunternehmen mit der Gründung seines Zimmereibetriebes an der Blumenstraße 15 geschaffen. Schon damals fuhr er zweigleisig: Denn gleichzeitig führte er Bestattungen aus und fertigte Särge in Handarbeit an – Beerdigungen sind auch heute noch das zweite Standbein der Firma. „So haben wir immer über 120 Prozent Arbeit, Langeweile kommt da nicht auf“, sagt Jürgen Harfst.
Wilhelm Backhus erstellte neben der Werkstatt im Jahr 1913 ein Vierfamilienhaus, das nach wie vor von der Familie bewohnt wird. Nach dem 2. Weltkrieg übernahm sein Sohn, der Bauingenieur Emil Backhus, die Firma und gründete 1954 das Möbelhaus an der Parkstraße 14, das federführend von seiner Frau Hanna geführt wurde.
1980 gaben sie den Stab an Tochter Anke und Schwiegersohn Jürgen Harfst weiter, der damals mit 38 Jahren als gelernter Bilanzbuchhalter ins „kalte Wasser“ gestoßen wurde: „Ich musste erst lernen, dass es zwischen Holz und Holz gravierende Unterschiede gibt.“ Mit seiner Frau vergrößerte er die Ausstellungsfläche auf insgesamt 600 Quadratmeter und erweiterte die Bestattungsräume. Als Stütze stand ihnen Altgeselle Egbert Witte zur Seite, der 49 Jahre lang von der Lehre beim alten Wilhelm bis zu seinem Ruhestand ein Synonym für Konstanz und Zuverlässigkeit im Betrieb war. Zahlreiche Messebauten in Europa sind von ihm geplant und realisiert worden. Heute ist Günter Meyer seit 15 Jahren als Tischler im Betrieb, um mit Ruhe und Übersicht diese Konstanz fortzusetzen.
Vor der Zukunft ist Lutz und Ina Harfst mit ihren Kindern Sönke (10), Merle und Renee, die Anfang Mai neun bzw. fünf Jahre alt werden, nicht bange: Möglicherweise wächst da schon die fünfte Generation der Firma Backhus heran…
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