HUDE - Axel Mohr weiß, wovon er spricht. Seit elf Jahren lebt er in Hude, als Bauingenieur ist er bei der Bauverwaltung des Bremer Senats beschäftigt. Zu dem von der Ratsmehrheit favorisierten Neubau des Tunnels an der K 226 und dem Kreisverkehr an der Kreuzung Vielstedter Straße/ Burgstraße/Hohe Straße hat er eine klare (ablehnende) Meinung. In der Versammlung der „Bürgerinitiative Tunnelbau“ am Montagabend im Haus am Bahnhof hält er sich mit Bewertungen jedoch zurück. Die Planung findet er „nicht sehr sinnvoll“, sagt Mohr vorsichtig und lässt stattdessen lieber Erkenntnisse für sich sprechen, die er gemeinsam mit Herwig Janssen, Eide Wilckens, Sabine Bruns-Vietor, Insa Winkler und Bärbel Rexin aus den zur Verfügung stehenden Planungsunterlagen gewonnen hat.

Mohr hält den Kreisel aus fachlicher Sicht für überaus problematisch. Ebenso wie die Unterführung, die als Trogbauwerk mit einer um 1,50 Meter abgesenkten Fahrbahn erstellt werden soll, liege auch der Kreisel „im Trog“. Aufgrund der bestehenden Höhendifferenz zum alten Tunnel, der später für Radfahrer und Fußgänger weiter genutzt werden soll, werde der Rad- und Gehweg mit einem neunprozentigen Gefälle in den Kreiseltrog führen. Zum Vergleich: Die Rampe auf der Südseite des Bahnhofs hat eine 7,5-prozentige Neigung. Erlaubt sind laut Mohr bei Bauwerken im öffentlichen Raum im Hinblick auf die Barrierefreiheit nur sechs Prozent. „Wie das gelöst werden soll, ist mir schleierhaft“, sagt der Bauingenieur.

Sein Mitstreiter Herwig Janssen konstatiert, dass die große Lösung für eine „gestiegene Gefahrenlage auf einem der am meisten genutzten Schulwege“ sorgt. Die Planung trage nicht zu einer Reduzierung der Straßenquerungen für schwächere Verkehrsteilnehmer bei. Radler und Fußgänger, die aus dem alten Tunnel kommen, müssen sich im Kreisel entgegen der Fahrtrichtung des Kfz-Verkehrs auf Inseln retten.

Axel Mohrs Fazit („Das ist nicht zu Ende gedacht“) gilt auch für andere Bereiche: So ist die Frage der Umleitung während der Sperrzeiten nur unzureichend geklärt.

Eide Wilckens verweist auf die Bausumme von 5,9 Millionen Euro, in der Kosten für Planungs- und Ingenieurleistungen, den Grunderwerb, den Ausbau von Umleitungsstrecken und Zahlungen an die Bahn für Instandhaltungsarbeiten gänzlich fehlen.


Die Bürgerinitiative plädiert für einen separaten Tunneldurchstich nur für Radfahrer und Fußgänger. Wilckens appelliert an die Ratsmitglieder, diese Alternative durchplanen zu lassen, um einen „fairen Vergleich“ zu haben.

Die Bürgerinitiative will nun u. a. auf dem Wochenmarkt informieren, Kontakt zu Schulelternräten und zum Behindertenbeirat suchen. Außerdem werden Unterschriftenlisten verteilt, damit, so Bärbel Rexin, „die Huder dokumentieren können, dass sie mit der großen Lösung nicht einverstanden sind.“