HUDE - Gedrückte Stimmung herrschte am Dienstagabend in der Gaststätte „Zur Mühle“ in Hemmelsberg: „Wir haben eine verdammt schwere Entscheidung zu treffen“ – mit diesen Worten leitete Dieter Holsten, Vorsitzender des Vereins „Bürgerbus Hude“, die außerordentliche Mitgliederversammlung ein. Drei Alternativen hatten die Mitglieder zur Auswahl: die bisherige Weser-Ems-Buslinie 255 mindestens bis zum Jahr 2019 weiterzuführen, eine neue (wirtschaftlichere) Linienführung zu gestalten oder die Vereinsauflösung zu beschließen. Das Ergebnis war klar: In geheimer Abstimmung votierten 17 der 18 Stimmberechtigten für letztere Variante – damit ist nach achteinhalb Jahren das Aus für den Huder Bürgerbus besiegelt.
Die schon vorsorglich vom Vorstand zum Fahrplanwechsel im Dezember 2011 vorgenommene Kündigung des Vertrages mit der Weser-Ems-Bus GmbH wurde bestätigt. Am Freitag, 9. Dezember, tritt der rot-weiße Flitzer zu seiner letzten Fahrt in der Gemeinde Hude an.
„Es ist ein trauriger Beschluss“, so Holsten, „aber wir mussten den Tatsachen ins Auge sehen.“ Und die Realität stellt sich so dar: Nach wie vor erkennt das Amtsgericht Oldenburg die Gemeinnützigkeit des Vereins nicht an. Dieser Status ist aber Voraussetzung dafür, dass der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen einen Zuschuss bei der auf absehbare Zeit notwendigen Neuanschaffung eines Fahrzeugs zahlt. Unter den 153 Bürgerbus-Vereinen in Deutschland sei Hude der einzige, dem die Anerkennung der Gemeinnützigkeit verweigert wird, zürnte der stellvertretende Vorsitzende Hans-Jürgen Backer.
Überdies fehlt dem Bürgerbus Fahrer-Nachwuchs. Von den 14 ehrenamtlich Aktiven würden bis Ende des Jahres vier aufhören, so Dieter Holsten. Für einen Neustart bräuchte man jedoch mindestens 25 Leute.
Dass auf der entscheidenden Mitgliederversammlung Vertreter von Weser-Ems-Bus, Landkreis und Gemeinde fehlten, wurde mit Kritik quittiert: „Es ist bedauerlich, dass sich hier niemand von denen sehen lässt“, schimpfte der langjährige Fahrdienstleiter Werner Haverkamp. Auch Hans-Jürgen Backer fand es enttäuschend, „wie man ehrenamtliches Engagement gegen die Wand fahren lässt“: „Wir haben ganz offensichtlich nicht den Rückhalt gefunden, den wir gebraucht hätten.“ Es sei schade, dass nur Fahrgastzahlen ausschlaggebend seien. Immerhin hat der Bürgerbus seit 2003 rund 40 000 Menschen befördert.
Betroffen von dem Bürgerbus-Aus zeigen sich Stammkunden wie Ingrid Wragge. Sie nutzt den Kleinbus als Zubringer zur VWG-Linie in Tweelbäke, von wo aus sie weiter zu ihrem Arbeitsplatz in Oldenburg fährt. „Wenn der Bürgerbus wegfällt, kann ich aufhören zu arbeiten“, sagte sie resignierend. „Wir werden unsere Kraft jetzt darauf verwenden, in solchen Fällen eine Hilfestellung zu geben, um kostengünstige Lösungen zu finden“, versprach Vorstandsmitglied Bernhard Wolff.
