HUDE -
Von Hans Drunkenmölle
HUDE - Ende April 1945 beginnen die letzten militärischen Operationen der alliierten Streitkräfte im Nordwesten. Um Verluste zu vermeiden, unternehmen Kanadier und Briten nur vorsichtige Vorstöße. Auf deutscher Seite stehen indes nur noch schwache Kräfte der 471. Division.Im Raum Kirchkimmen sollten das Regiment Wiele und die Brigade Stephan die Reichsstraße nach Oldenburg halten. Im Raum Bookholzberg steht das Regiment Nr. 857. Überall kämpfen hier aber auch kleine Splittergruppen der Marine, der Waffen-SS, der Fliegertruppe und der Flugabwehr, die angesichts schlechter Nachrichtenverbindungen allerdings kaum noch von übergeordneten Dienststellen erreicht werden.
Nach der Eroberung von Delmenhorst am 20. April stagnieren die Operationen einige Tage. Erst am 26. April kommt es zu neuen Vorstößen der kanadischen 5. Infanteriebrigade, des 8. Aufklärungsregiments und der britischen 3. Division. Ihr Kampfauftrag lautet: Säuberung des Raumes westlich der Weser bis etwa zur Einmündung der Hunte. Die Operationen werden aber so zögerlich betrieben, dass nur unwesentliche Erfolge erzielt werden.
Dagegen führt der Vorstoß der 5. kanadischen Brigade von Ganderkesee nach Norden Richtung Hude teilweise zu heftigen Gefechten. Am Abend des 26. April ist der Bahndamm im Bereich Schierbrook-Bookholzberg erreicht, aber schon einen Tag später bringt ein deutscher Stosstrupp Bookholzberg Richtung Stenum einige Verwirrung bei den Kanadiern. Am 30. April meldet die Oldenburgische Staatszeitung schließlich „die Besetzung Hudes durch den Feind“. Für die Säuberung des Gebietes rund um die Stadt benötigen die Alliierten zwei Tage. Bei den Kanadiern gab es während der Kämpfe 130 Tote und Verletzte.
Die deutsche Infanterie ist den Panzern und Flammwerfpanzern nicht gewachsen, nutzt jedoch überall das unübersichtliche Gelände. Von der Geest aus unternehmen die Kanadier in den folgenden Tagen schwache Aufklärungsvorstöße gegen die von deutschen Truppen geräumte Stedinger Marsch.
Unterdessen kommt es in einigen Gebieten des Oldenburger Landes und Ostfrieslands zu Unruhen unter der Bevölkerung. Als Hitlers Tod und die Kapitulation Hamburgs bekannt gegeben werden, mehren sich Forderungen nach sofortiger Einstellung der Kampfhandlungen.
Für die „Gauhauptstadt“ Oldenburg spitzt sich die Lage zu. Der Artilleriebeschuss nimmt zu. Die Amalienbrücke über den Küstenkanal und die Eisenbahnbrücke über die Hunte werden gesprengt.
