Hekeln - Ein riesengroßer Stein ist Sarah und Torsten Bruns vom Herzen gefallen, als endlich die Stallpflicht für Geflügel aufgehoben wurde. Grund zur Freude gab es für das in Hekeln wohnende Ehepaar dann gleich doppelt, war doch der erste Hühnernachwuchs des Jahres geschlüpft.
Stark reduziert hatten die Züchter ihren Tierbestand mit Beginn der Aufstallungspflicht. Von ihren rund 100 „Sulmtalern“ – einer in Österreich auf der Roten Liste stehenden Hühnerrasse – sind nur noch knapp 40 übrig geblieben. Denn auf ein derart langes Einsperren war das Paar – wie die meisten Hobbyzüchter – nicht eingestellt.
„Die Hühner, die nicht zur Zucht taugen, hätten wir sowieso geschlachtet. Wir essen beide gerne Fleisch“, erzählt Sarah Bruns. „Ganz bewusst haben wir uns vor rund fünf Jahren, als wir mit der Zucht begonnen haben, deswegen für ein Zweinutzungshuhn entschieden“, führt sie weiter aus. „Diese robuste, zutrauliche Rasse legt Eier und sorgt für ordentlich Fleisch im Topf“, schwärmt Sarah Bruns.
Und das hat im Hause Bruns sogar Bioqualität. Denn tagsüber genießen die Nachfahren des steierischen Landhuhns, die mit ihrem arttypischen Wickelkamm und dem Federschopf auch hübsch anzusehen sind, jede Menge Platz, um ausgiebig nach Insekten zu scharren, sich im Sand zu wälzen oder Rangordnungen festzulegen.
„1200 Kilometer sind wir gefahren, um uns aus München und Thüringen von prämierten Züchtern die ersten Bruteier zu besorgen“, ergänzt Torsten Bruns. Der kürzlich verstorbene Zuchtfreund Frank Kahlenberg hatte damals die Eier in seiner Maschine ausgebrütet.
Zufrieden war Bruns allerdings nicht mit dem, was dabei raus kam. Heute ergänzen er und seine Frau den Bestand nur noch durch lebende Tiere, bei denen geprüft werden kann, ob sie tatsächlich in die Linie passen.
Worauf dabei geachtet werden muss, haben beide nach der Teilnahme an unzähligen bundesweiten Ausstellungen inzwischen gelernt. Viele Preise hat das Paar, das sich im Vorstand der Stedinger Rassegeflügelzüchter engagiert, schon mit seinen Sulmtalern gewonnen.
Die 17 flauschig-gelben Küken, die nach 21 Tagen bei 37,8 Grad jetzt aus dem Ei geschlüpft sind, dürfen die ersten vier Tage noch bei 30 bis 35 Grad genießen. Danach geht es mit der Temperatur bergab, um sie ans Leben draußen zu gewöhnen.
Wie gefressen wird, haben die Kleinen auch ohne Glucke schnell raus. Später werden sie – wie ihre älteren Artgenossen – mit eingeweichtem Sechskorn-Müsli, Äpfeln und Mohrrüben verwöhnt. Erst im Herbst, wenn absehbar ist, wie sie sich entwickelt haben, denkt das Paar über Verkäufe nach.
Dass die meisten Hühner nach einem artgerechten Leben gegessen werden, sollte für Fleischesser und Geflügelzüchter normal sein. Es sind schließlich keine Hunde oder Katzen, sagt Torsten Bruns. Das vermittelt er auch dem Züchternachwuchs.
Nur das zahme Huhn „Gerda“ muss im Hause Bruns den Kochtopf nicht fürchten.
