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Mantrailing Bernie und Joy: Zwei Nasen schnüffeln super

Rahel Arnold

Jever - Jeder Mensch hat einen individuellen, unverwechselbaren Geruch, vergleichbar mit dem Fingerabdruck oder DNA. Jeder ist von einer Wolke aus mikroskopisch kleinen Geruchspartikeln umgeben, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Die Partikel werden mit dem Wind getragen und lagern sich ab – so hinterlässt jede Person eine Spur.

„Hunde können diese Geruchspartikel erschnüffeln“, erklärt Hundetrainerin Gisela Janssen von der Hundeschule Hundekonzepte Friesland aus Sandel. Und mehr noch: Werden Vierbeiner entsprechend ausgebildet, dann können sie dem Geruch einer bestimmten Person über Kilometer hinweg folgen. „Was genau die Tiere riechen, wissen wir nicht“, sagt Janssen. Die Hundenasen geben der Wissenschaft Rätsel auf.

Ablauf wird geübt

Das gilt auch für die Nase der schwarzen „Joy“. Der Golden Retriever-Münsterländer-Mischling von Astrid Stuckenberg ist ein so genannter Mantrailer: Ein für die Personensuche ausgebildeter Hund.

Die Mantrailer, die in Jever auf dem Kirchplatz mit der Spurensuche beauftragt werden, sind allerdings nicht Teil einer Sondereinheit der Polizei, sondern ganz normale Haushunde. Und bei dem „Opfer“ handelt es sich auch nicht um eine tatsächlich vermisste Person, sondern um die Tochter von Hundetrainerin Jacqueline Schober, die in einem Café in der jeverschen Innenstadt auf die Hunde und ihre Besitzer wartet. Wo, wissen weder Hund noch Halter.

Die Suche nach einer vermissten Person läuft nach einem bestimmten Schema ab: Der Hund wird zunächst an den so genannten Antritt geführt – der Ort, wo die gesuchte Person zuletzt gesehen wurde: Für Joy ist das die Wiese vor der Stadtkirche. Bevor es richtig losgeht wird ihr Leine und Halsband gegen ein Geschirr getauscht, das sie nur beim Mantrailing trägt. „So weiß der Hund, jetzt geht es an die Arbeit“, erklärt Gisela Janssen.


Hündin und Halterin gehen einen Kreis, einen so genannten Perimeter, um sich ein erstes Bild von der Geruchssituation am Ausgangspunkt zu machen.

Anschließend bekommt Joy von Astrid Stuckenberg eine Tüte unter die Nase gehalten, darin befindet sich eine Geruchsprobe des „Opfers“. Gleichzeitig gibt Astrid Stuckenberg das Start-Signal.

Sofort beginnt Joy mit der Suche: Sie hält die Nase in den Wind, schnuppert an Bäumen, an Bordsteinkanten, an Autoreifen, geht erneut im Kreis. „Sie sucht die Richtung, in die die Person gegangen ist“, erklärt Gisela Janssen.

Joy hat sich entschieden, sie zieht ihr Frauchen an der Schleppleine in Richtung St. Annen-Straße. Die Leine spannt, Joy ist sicher: Hier ist die Person entlanggegangen – und liegt damit richtig: „Beim Mantrail führt der Hund den Halter – das bedeutet für das Tier viel Kopfarbeit“, erklärt Janssen.

Lob und Leckerchen

Einer Geruchsspur folgen, funktioniere selbst dann noch, wenn es viele Stunden her ist, dass die Person dort entlanggegangen ist, sagt Janssen. Auch wenn die Person in einem Auto davongefahren ist, kann der Hund der Spur noch folgen.

Und das zeigt jetzt auch Joy. Gut einen Kilometer führt sie ihre Begleiter durch die Innenstadt, durch Gassen, Straßen, Parkanlagen. Ab und zu ist sie unsicher, wartet ab, hält die Nase in den Wind, schnüffelt hoch oder tief nach der gesuchten Geruchsspur – findet sie schließlich und somit auch den Weg zum Café, in dem das „Opfer“ wartet: Mit Lob und Leckerchen.

Als nächster ist Bernie an der Reihe: Ein Podenco-Pointer-Mischling. Bernie sei schnell und zielsicher, lasse sich durch nichts ablenken, sagen seine Trainerinnen.

Wenn Bernie sich nicht sicher ist, kratzt er sich mit der Hinterpfote am Ohr – Übersprunghandlung nennen das die Trainer. Kurz mal nachdenken, nennt das Bernie.

Und bei diesem Einsatz muss Bernie häufig nachdenken: Kratzen, Spur suchen, Frauchen Iris Tenge an der Leine nach sich ziehen.

Schließlich findet aber auch Bernie die Vermisste im Café. Einer ausgebildeten Spürnase entkommt so schnell niemand.

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