Sandhatten - Flussaufwärts der alte Huntearm, flussabwärts die neue Schleife, dazwischen nur noch ein kleiner Damm. Unter dem aufmerksamen Blick von Bauingenieur Jan-Friedrich Stelter trägt ein Bagger der Firma Lothar Börries am Montagmorgen, 9.30 Uhr, vorsichtig den etwa drei Meter breiten Damm ab. Wenige Minuten später ist es soweit. Wie aus einer übervollen Badewanne läuft das Huntewasser langsam über die künstliche Barriere. Der neue Huntearm bei Sandhatten ist an den Fluss angeschlossen.
Zeitgleich poltern auf dem südlichen Hunteufer bereits Steine in das Wasser. Das Material stammt aus Steinbrüchen im Osnabrücker Umland und bildet die Basis für den neuen Damm. „Insgesamt werden wir 940 Tonnen verbauen“, sagt Stelter. Jede der beiden neuen Hunteschleifen wird einen Absperrdamm bekommen, der das Wasser aus seinem bislang schnurgeraden Lauf in die Seitenarme lenkt. Nur bei extremem Hochwasser wird die Hunte auch künftig über die Dämme treten können.
Boden für die Bahn
Auf der Dehland-Seite ist der neue Huntelauf bereits Ende Juli fertig geworden. 60 000 Kubikmeter Torf, Klei- und Sandboden transportierten elf permanent pendelnde Lkw zur alten Bahndeponie Bookholzberg. Auf Sandhatter Seite bestand der Baggeraushub fast ausschließlich aus Sand. Die Neerstedter Baufirma Börries, die im Auftrag des Bremer Unternehmens Heilit Umwelttechnik die vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) initiierte Maßnahme realisierte, bringt entsprechende Erfahrung mit: Sowohl die Aschenbeckschen Inseln bei Dötlingen als auch die Flutmulden in Wildeshausen sind von ihr gestaltet worden.
Ziel des Projekts in Sandhatten ist es, die Fließgeschwindigkeit der Hunte deutlich zu verlangsamen und damit zu verhindern, dass immer mehr Sedimente vom Flussboden abgetragen werden, die Hunte sich immer tiefer in die Erde frisst und die Bewässerung der Landschaft immer schwieriger wird. Die erhöhte Fließgeschwindigkeit des Wassers hat seit 1950 das Flussbett um bis zu zwei Meter vertieft – mit negativen Folgen für den Grundwasserstand.
Stufen für die Fische
Für das notwendige Anheben der Wasserstände in den neuen Flussläufen sorgt eine Sohlengleite nahe der Dehlandbrücke. In zehn Stufen á zehn Zentimeter heben Wasserbausteine das Flussbodenniveau an. „Fische kommen so leichter über das Hindernis als beim alten Stauwehr“, sagt Stelter. Doch auch an die Menschen ist gedacht. Um trotz des künftig höheren Wasserstands den Hochwasserschutz gewährleisten zu können, hat das NLWKN auf beiden Seiten der neuen Flussschleifen Erdwälle errichten lassen.
