HUNTEBRüCK - Erst hört man nur ein leises Trappeln. Dann biegt Stefan Rose um die Kurve, im Rücken 1200 Schafe, vier Hunde und einen Begleitwagen. Der Schäfer ist mit seinen Tieren auf dem Weg von Norddeich nach Grethen bei Hodenhagen ins Winterquartier. „Die Sommersaison ist vorbei, und um die Kosten für den Transport zu sparen, gehen wir zu Fuß nach Hause“, erzählt Rose.

Die Huntebrücke wird um halb eins für den Durchmarsch der Herde gesperrt. Hunderte

Tiere traben über den Asphalt, Ausreißer gibt es wenige. Wenn doch ein Schaf anhält, um am Wegesrand zu grasen oder sich an einem Begrenzungspfahl den Rücken zu kratzen, ist sofort einer von Roses vier Hütehunden zur Stelle. Als Schlusslicht fährt Thilo Fleischer mit einem Transporter hinter der Herde her. Er nimmt Schafe an Bord, die etwas Ruhe brauchen. Kurz nach der Baustelle biegen die Wanderer in einen Feldweg ab. In Köterende ruhen sich Tiere und Schäfer für den Weitermarsch aus.

In Huntebrück hatten sich viele Zuschauer auf der Straße versammelt, Radfahrer waren abgestiegen und ein Fernsehteam filmte eifrig. Der Medienrummel stört Stefan Rose nicht. Denn so kann er auch auf die Probleme seiner Zunft aufmerksam machen.

„Die Wolle vom Schaf ist wertvoll, aber wir kriegen nichts mehr dafür“, klagt er. Außerdem nerven ihn Pläne der Europäischen Union. Diese hat beschlossen, ab dem 1. Januar 2010 die elektronische Tierkennzeichnung für Schafe zur Pflicht zu machen. Zwar komme die Tierseuchenkasse für die Kennzeichnung auf. „Doch die Kosten kommen über die Kasse dann wieder auf uns zurück.“


Die neue Saison beginnt im April nächsten Jahres. Dann fährt Rose seine Herde mit Transportern zum Deich.

Fotogalerie: Huntebrück: 1200 Schafe auf der Huntebrücke