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Tag Der Regionen Mahagoni, Walnuss oder Ebonit?

Huntlosen - Es ist gar nicht so einfach, Gerrit de Boers Werkstatt zu finden, wenn man noch nie in Huntlosen-Hosüne war. Aber hier kennt man sich – de Boers Nachbar Uwe Krieger, der eine Ledermanufaktur hat, weiß sofort, wo er steckt. Dabei ist Gerrit de Boer erst Anfang September in den Werkraum des Gebäudes Am Forst 26g eingezogen.

Darin riecht es vor allem nach Holz; alle Werkzeuge sind säuberlich an den Wänden aufgehängt oder in kleinteiligen transparenten Boxen verstaut. Auf den schätzungsweise 20 Quadratmetern fertigt de Boer handgemachte Schreibwerkzeuge – vom Fallminenbleistift, über Kugelschreiber und sogenannte „Roller Balls“ bis hin zu Füllfederhaltern. Am „Tag der Regionen“ am Sonntag, 1. Oktober, 11 bis 17 Uhr, wird er seine Produkte der Öffentlichkeit präsentieren.

Vom Hobby zum Beruf

„Holzwerken war viele Jahre lang mein Hobby. Ich mag sowohl grobe als auch filigrane Arbeiten und habe aus Interesse mit dem Drechseln begonnen“, erzählt der 42-Jährige. Ursprünglich stammt er aus dem Ammerland, von Beruf ist er gelernter Gärtner. Außerdem war da immer diese Faszination für Kalligraphie und kunstvolle Schriften. „Ich mag es mit Federn zu schreiben. Privat verfasse ich auch mal Schriftstücke auf

altdeutsch“, berichtet de Boer von seiner Leidenschaft. Buchstaben des altdeutschen Alphabetes sind häufig enorm verschnörkelt und haben viele Details. De Boer gibt zu: Lesen könne solche Texte dann nur noch seine Oma.

Es sei irgendwie fast eine logische Konsequenz gewesen, die Arbeit mit dem Drechselbohrer und die Liebe für Stifte zu verbinden. „Mit der Werkstatt versuche ich jetzt, mein Hobby zum Beruf zu machen. Bislang habe ich meine Produkte vor allem in Online-Foren präsentiert. Aber da das Feedback so positiv war, will ich sie jetzt mehr und mehr einem Publikum vorstellen“, zeigt de Boer seine Pläne auf.

Bislang hat er einige hundert Schreibwerkzeuge hergestellt, vor allem als Hochzeits-, Geburtstags-, und Weihnachtsgeschenke – und dabei viel gelernt. „Das ist totale Feinarbeit. Es kommt teilweise auf die letzten Zehntel-Millimeter an, damit beispielsweise die Verschlusskappe passgenau aufgeschraubt werden kann. Wenn dann was schief geht, muss ich mir was einfallen lassen“, erzählt de Boer und lacht. Da geht es dann auch ums Geld. Denn er arbeitet zwar auch mit verschiedenen Hölzern – Birne, Kirsche, Ulme, Walnuss oder Mahagoni sind nur eine Auswahl – aber am allerliebsten mag er antike Werkstoffe. Und die sind teuer. „Ich arbeite zum Beispiel häufig mit Ebonit. Das ist doppelt vulkanisiertes Gummi. Es hat eine ganz tolle Haptik und nimmt schnell die Körperwärme an“, sagt de Boer. Außerdem sei Ebonit sehr widerstandsfähig und dennoch leicht flexibel. Ein Meter koste teilweise bis zu 100 Euro.

Besondere Werkstoffe

„Ich habe Restbestände von ungefähr 100-jährigem Celluloid aufgekauft. Und ich benutze gern Galalith“, erklärt de Boer. Dieses Material würde man heute wohl als Bio-Kunststoff bezeichnen. Es beinhaltet Kasein – das ist der Name für den Proteinanteil in Milch. Der Stoff erhärtet dann in einer Formaldehyd-Lösung.

„Ich finde diese Werkstoffe super spannend. Sie sind selten und besonders. Damit möchte ich mir ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten“, beschreibt de Boer seine Pläne. Alleinstellungsmerkmale haben sowieso all seine Erzeugnisse, denn sie sind Einzelstücke. Interessenten können fast alles selbst aussuchen: Material, Farbe, Details, Maße. „Je nach Material und Wunsch, brauche ich ungefähr drei Stunden für einen Kugelschreiber. Für einen Füllfederhalter aber zwischen zwei und drei Tagen“, schildert de Boer. Kostenpunkt: Für schlichte Kugelschreiber aus Holz zahlen Kunden um die 30 Euro, für ganz besondere Füller zwischen 250 und 350 Euro.

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