HURREL - 80 Schafe werden in Hurrel gehalten. Auch die Milch von acht Kühen und 20 Ziegen wird verarbeitet und selbst vermarktet.

Von Matthias Kosubek

HURREL - Die Frage, ob Schafe tatsächlich dumm sind, wie es der Volksmund behauptet, blieb am Dienstagabend auf dem Hof der Familie Haferkamp in Hurrel unbeantwortet. Stattdessen erfuhren jene 35 Männer und Frauen, die sich an einem Ausflug des Radfahrervereins Reiherholz beteiligten, viel Wissenswertes und Interessantes über die Haltung dieser Tiere und wie aus ihrer Milch Käse hergestellt wird.

Erwin und Christa Haferkamp führten die Gruppe über den Familienbetrieb, der vor zwölf Jahren mit der eigenen Käseherstellung begonnen hat. Damals zeichnete es sich ab, dass der Hof auf Dauer nicht zwei Familien ernähren kann. Damals ahnten die Haferkamps auch nicht, wie viel Arbeit auf sie zukommen würde.

45 Kühe und 80 ostfriesische Milchschafe werden zurzeit auf dem 55 Hektar-Betrieb gehalten. 90 Prozent des Futters wird selbst erzeugt. Die Lämmer (manchmal sind auch Drillinge und Vierlinge dabei) werden nicht bei den Müttern gelassen, sondern mit der „Flasche“ (bzw. dem Eimer) aufgezogen und dann verkauft, sogar bis nach Griechenland. Etwa sieben Monate im Jahr geben die Muttertiere Milch, im Schnitt zwei Liter am Tag.

Erwin Haferkamp demonstrierte, wie willig die Tiere ihre Plätze auf dem Melkstand einnehmen. Da ihre Euter nur zwei Zitzen haben, verfügt die Melkmaschine auch nur über je zwei Melkbecher.


Die 45 Kühe werden in einem modernen, einseitig offenen Stall gehalten, wo sie über breite Laufgänge und stroh-gepolsterte Liegeboxen verfügen und überwiegend mit Gras- und Maissilage gefüttert werden. Ein Großteil der Milch geht an eine Molkerei, die von acht Tieren wird in der eigenen Hofkäserei verarbeitet. Ebenfalls verarbeitet wird die Milch von 20 Ziegen eines Halters aus der Gemeinde.

Die per Leitung in die Milchkammer geleitete Kuhmilch wird roh verarbeitet, während Schafs- und Ziegenmilch vorher pasteurisiert werden. Die Produktpalette umfasst frische Schafsmilch, Joghurt, Quark, Weichkäse und Schnittkäse, berichtete Christa Haferkamp, die bei der Produktion von einer 400 Euro-Kraft unterstützt wird. Aus zehn Liter Kuhmilch wird ein Kilo Käse, bei der eiweiß- und fettreicheren Schafsmilch reichen sechs Kilo. Verwendet werden nur Käsekulturen und Lab, keine Zusatzstoffe. In drei Käsekesseln von 100, 300 und 500 Liter Fassungsvermögen wird die Milch zum Gerinnen gebracht und dann abgeschöpft, durch Pressen entwässert, gesalzen und in den Reiferaum gebracht. Dort lagert er zwischen drei Wochen und einem Jahr und entwickelt mit der Zeit sein jeweils typisches Aroma. Anfangs müssen die Käselaibe täglich gewendet werden, später in längerem Abstand.

Verkauft werden die Produkte aus der Hurreler Hofkäserei Haferkamp auf Wochenmärkten in Bremen, Oldenburg, Delmenhorst und natürlich auch in Hude.