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Landwirtschaft „Ein halbes Leben nur Käse gemacht“

HURREL - Es hätte auch anders kommen können. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs durchschlägt eine zentnerschwere Brandbombe das Dach des damaligen Schweinestalls des Hofs der Familie Haverkamp in Hurrel. Doch die Katastrophe bleibt aus – die Bombe landet in einem Trog mit Wasser. Emil Haverkamp sieht einen Tag später das Loch im Dach und findet den Sprengsatz. Und erzählt Jahre später seinem Enkel Erwin davon.

20 Jahre Bestehen

Enkel Erwin Haverkamp sitzt gut gelaunt in der Stube des Hofes der Familie. Ehefrau Christa kommt hinein, es gibt Kaffee. „Eigentlich habe ich fast mein halbes Leben lang Käse gemacht“, sagt er.

Fast ein halbes Leben – das sind beinahe genau 20 Jahre. Seit 1992 gibt es die Hofkäserei in Hurrel. Erwin und Christa Haverkamp sind beide 48 Jahre alt. Am 17. Juni öffnen sie die Anlage für Gäste beim niedersächsischen Tag des offenen Hofes. Genauso wie der ebenfalls in Hurrel ansässige Mastbetrieb Schwarting. Es sind die einzigen beiden Höfe, die aus dem Landkreis Oldenburg teilnehmen.

Durch das Haus der Haverkamps weht ein säuerlicher Geruch. Im Flur ist es ein wenig dunkel, nur durch die Eingangstür fällt Licht. Das private Gebäude der Familie ist rund 300 Jahre alt, solange reicht auch die Geschichte der Familie auf dem Hof zurück – „14 Generationen“, meint Erwin Haverkamp.

Der Geruch kommt aus den Kellergewölben unter dem Haus. Hier reift der Käse, der auf dem Hof aus der Milch von eigenen Kühen, Schafen und Ziegen hergestellt wird. Um durch die schwere Holztür zu gehen, die in den Keller führt, müsste der Hofbesitzer sich bücken – vor 300 Jahren hatten die Planer des Hauses offenbar nicht mit einem über 1,80 Meter großen Hausbesitzer gerechnet.

Im Keller hier lagerte nicht immer Käse. Bis 1984 betrieb die Familie auf ihrem Hof einen Mischbetrieb. Kühe, Schweine, etwas von diesem und jenem. Dann, 1984, wird die Milchquote gesetzlich eingefroren. Von den 30 Milchkühen, die der Hof zu diesem Zeitpunkt hat, kann die Familie bald nicht mehr leben. Erwin Haverkamp arbeitet bei anderen Betrieben. Dann der Entschluss: „Wir wollten von dem Betrieb wieder leben können“, sagt Christa Haverkamp.

Die Idee: Käse machen – aus eigener Milch und in eigener Produktion. 45 Kühe, 70 Schafe und 12 Ziegen halten die Haverkamps derzeit auf ihrem Hof. Über 40 Produkte stellen sie hier her: Käse, Joghurt, Quark. 2011 wird der Hof von der Feinschmecker-Zeitschrift in einen Führer der besten Käsereien Deutschlands aufgenommen.

Hurrel präsentiert sich

Beim Tag des offenen Hofes will die Familie nicht nur ihren Betrieb öffnen. Auch das Dorf Hurrel soll sich präsentieren. Da aus organisatorischen Gründen nicht alle 16 landwirtschaftlichen Betriebe geöffnet werden können, einigten sich die Landwirte auf die Betriebe Haverkamp und Schwarting.

Im Juni soll es dann stündliche Führungen durch die Stallungen und die Käserei geben. „Neben dem Haus werden wir die Geräte-Scheune ausräumen und Stroh auslegen – für die Kinder der Besucher zum Spielen“, erzählt Christa Haverkamp.

Mit Besucher-Gruppen hat die Familie Erfahrung. Gut 15 Betriebsführungen gibt es hier jährlich – meist Schulklassen. Das liegt ihnen am Herzen. Erwin Haverkamp: „Als ich Schüler war, gab es in fast jeder Familie jemanden mit einem landwirtschaftlichen Betrieb. Heute ist es für viele etwas Besonderes.“

Tag des offenen Hofes

in Niedersachsen ist in diesem Jahr am 17. Juni.

An dem Tag kann Einblick in landwirtschaftliche Betriebe genommen werden.

Initiator ist der niedersächsische Landvolkverband.

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