Unter dem Motto „Frühlingserwachen“ steht am morgigen Sonntag eine Veranstaltung, die vom Gewerbeverein„Gantermarkt“ organisiert wird. Vor einem Jahr wurde aus der Werbegemeinschaft Ganderkesee der „Gantermarkt“ und gleichzeitig wurde Renate Drieling, Inhaberin der „Jeans-Scheune“, zur Vorsitzenden gewählt. Da ich Renate gut kenne, hatte ich mich ohnehin sehr auf das Gespräch mit ihr gefreut. Allerdings erfuhr ich im Laufe unseres Gespräches noch viel Neues über sie.
Renate ist eine geborene Esmann und eine echte Ganderkeseer Deern. Ihr Vater Heinz war einige Jahre Ratsherr in der Gemeinde Ganderkesee und auch Vorsitzender vom SPD-Ortsverein. Ihre Mutter Elfriede war viele Jahre im Blumenhaus Melle angestellt. In ihrer Schulzeit lernte Renate fast alle Schulen in Ganderkesee kennen. Das lag nicht daran, dass sie immer die Schule wechseln musste, sondern dass in den sechziger Jahren die Schulräume knapp waren.
Eingeschult wurde sie noch in der sogenannten alten Steinschule. Die Grundschule Lange Straße, eine Baracke an der alten Turnhalle und sogar ein Raum in der Pastorei waren einige Stationen während ihrer Schulzeit. Die eineinhalb Jahre der 9. Klasse konnte sie 1969 bis 1970 in der neuen Schule Am Steinacker verbringen. Hier wurde sie gleich zur Schulsprecherin gewählt. Schon da hielt sie mit ihrer Meinung und ihren Ansichten nie „hinterm Berg“. Sie wusste immer was sie wollte, das hat sich bis heute auch nicht geändert.
„Die 68er-Zeit habe ich gut miterlebt! Ich erinnere mich noch gerne an die vielen leidenschaftlichen Diskussionen mit meinem Vater“, sagt Renate. Da sie schon immer gerne mit Lineal und Geodreieck gearbeitet hat, lernte sie in Bremen Bauzeichnerin. 1976 heiratete sie ihren Ehemann, der als Industriekaufmann ein Jahr später nach Frankfurt/Main versetzt wurde. Auch hier arbeitete sie in ihrem Beruf als Bauzeichnerin weiter. „Die Zeit in Frankfurt war schon toll. Es war doch ein anderes Leben in so einer Großstadt. Ich bin in meiner Sichtweite viel offener geworden“, erzählt Renate.
Als 1979 ihre erste Tochter Annika geboren wurde, ging es wieder zurück nach Ganderkesee, weil ihr Mann wieder in den Innendienst seiner Firma berufen wurde. Da Walter Drieling im Jeans-Großhandel tätig war, entschloss sich Renate 1980, sich mit einem Jeans-Geschäft selbstständig zu machen. Zunächst in einem Laden in der Wittekindstraße mit „nur“ einer Verkaufsfläche von 25 Quadratmetern, die Einrichtung wurde selbst zusammengezimmert.
Fünf Jahre später dann der Umzug in ein größeres Geschäft. Vor vier Jahren zog die „Jeans-Scheune“ in die Rathausstraße 22 und verfügt nun über eine Verkaufsfläche von 120 Quadratmeter. „Es war anfangs nicht immer einfach, und da bin ich meiner langjährigen Mitarbeiterin Irmgard Logemann noch heute dankbar“, erzählt Renate mir. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, denn 1983 wurde ihre zweite Tochter Britta geboren und dann kam auch noch die Trennung von ihrem Ehemann.
Dass die „Jeans-Scheune“ heute zum festen Bestandteil der Ganderkeseer Geschäftswelt gehört, ist Renates Mut, Engagement und ihrem außerordentlichen Willen zu verdanken. Ganderkesee liegt Renate Drieling am Herzen. So zog sie 1999 auf Anhieb für die SPD in den Gemeinderat. Zwei Jahre davon war sie sogar Vorsitzende im Gemeindeentwicklungsausschuss. 2006 legte sie ihr Mandat nieder. „Es war eine hochinteressante und spannende Zeit für mich. Ich hatte aber den Anspruch, keine Feierabendpolitik zu machen, aber noch mehr Engagement konnte ich mit meinem Geschäft nicht vereinbaren“, sagt Renate.
Das Jahr 1990 ist Renate Drieling noch besonders gut in Erinnerung, denn in diesem Jahr bildete sie zusammen mit Manfred Einemann das Ganderkeseer Faschingsprinzenpaar. „Zusammen mit unseren Ehrendamen waren wir ein tolles Team!“ Seit einigen Jahren ist Renate Drieling Leiterin der Ex-Prinzessinnen. „Wie schaffst Du es, knapp 30 Frauen unter einem „Hut“ zu bekommen?“, frage ich Renate ganz neugierig. Lachend gibt sie zu, dass es nicht immer einfach ist und es nicht immer gelingt, allen gerecht zu werden.
Bei Renates Hobbys steht an erster Stelle ihre Familie mit ihren Kindern und Enkelkindern. In den Urlaub fährt sie regelmäßig nach Italien. „Ich bin ein großer Fan von Italien“, gesteht sie mir. „Wenn ich über den Brenner bin, vergesse ich alles um mich herum!“
Sport war schon von Kindesbeinen an eine große Leidenschaft von Renate und ganz besonders hat es ihr Handball angetan. So gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Damen-Handballmannschaft des TSV Ganderkesee. Mit 16 Jahren hat sie mit dem Handball angefangen und mit 40 Jahren aufgehört. Ihr macht es große Freude, im Team zu spielen. Sei es im Sport, im Geschäft mit ihren Mitarbeiterinnen, bei den Ex-Prinzessinnen oder bei „Gantermarkt“ mit ihren Geschäftskollegen. „Ich bin ein Teamplayer und arbeite gerne in der Gruppe. Man kann nicht immer alles alleine reißen!“, sind ihre letzten Worte, bevor wir uns verabschieden.
