Hannover -
Herr Weil, wie sehr ist der VW-Konzern durch den Machtkampf mit Piëch beschädigt worden?
WeilEs war eine schädliche Diskussion, die aber jetzt erfreulicherweise beendet ist. VW kann sich jetzt wieder auf das Geschäft konzentrieren. Es war Aufgabe, des Präsidiums, diese Situation herzustellen.
Aber ist der Schaden nicht groß, wenn der Patriarch abtritt?
WeilFerdinand Piëch hat sich wirklich überragende Verdienste um die deutsche Automobilindustrie im allgemeinen und um Volkswagen im besonderen erworben. Die in den vergangenen zwei Wochen entstandene Situation war so nicht mehr fortführbar. Im Präsidium waren wir uns einig, dass eine Zusammenarbeit im wechselseitigen Vertrauen nicht mehr möglich war. Herr Piëch hat die Konsequenzen gezogen. Dafür hat er meinen Respekt.
Wie lange kann der Aufsichtsrat von der Interims-Lösung Huber noch geleitet werden?
weilDer Aufsichtsrat und das Management sind voll arbeitsfähig. Vor der Hauptversammlung, die Herr Huber leiten wird, wird es keine weiteren Entscheidungen geben. Im übrigen haben wir uns im Präsidium vorgenommen, die Frage des Aufsichtsratsvorsitzes ruhig anzugehen. An dieser Stelle besteht kein Zeitdruck.
Hoffen Sie, dass Herr Piëch seinen Anteil an Volkswagen behält – mit einem weiterhin maßgeblichen Einfluss?
WeilEs ist Sache jedes Aktionärs, wie er mit seinen Aktien umgeht. Dazu habe ich keine öffentliche Kommentierung abzugeben. Aber generell wünsche ich mir, dass nach einer gewissen Zeit Ferdinand Piëch seinen Rat dem Unternehmen wieder zur Verfügung stellt.
Was bedeutet die Entwicklung für die niedersächsischen Standorte von VW?
WeilAuf diese Standorte haben die Ereignisse der letzten Tage keinerlei Auswirkungen. Das Geschäft von VW läuft gut, das gilt auch für die niedersächsischen Standorte. Dort ist gerade in den letzten Jahren nochmals eine deutliche Stärkung erfolgt mit inzwischen über 120 000 Beschäftigten, die indirekte Beschäftigung beträgt noch einmal mindestens das Doppelte. An dieser Stelle sehe ich derzeit keinerlei Gefahren.
Wie würden Sie die beiden letzten Wochen bewertend zusammenfassen?
weilIch habe die Vorgänge sehr bedauert. Ich hätte gerne mit Professor Piëch weitergearbeitet. Aber es war vor dem Hintergrund der jüngsten Debatten unausweichlich, dass die Zusammenarbeit beendet werden musste.
Ist jetzt Ruhe bis zur Hauptversammlung am 5. Mai?
weilDas kann ich nicht sagen. Fest steht, dass die notwendigen Entscheidungen getroffen worden sind und dass man sich unter den Entscheidungsträgern einig ist. Das ist kein vorgespielte Einigkeit, sie besteht tatsächlich. Aber es gibt viele Menschen, die aus guten oder weniger guten Gründen meinen, sich zu VW äußern zu müssen. Ich habe in den letzten Tagen über manche grandiose Fehleinschätzung gestaunt.
Soll die Eigentümerstruktur so bleiben wie bisher?
weilAus meiner Sicht gibt es keinen Änderungsbedarf.
