Idstein - Jack Wolfskin will nach der Übernahme durch den US-Golfausrüster Callaway wieder an bessere Zeiten anknüpfen. Mit dem neuen Eigner könne dem Outdoor-Hersteller der Eintritt in den lukrativen US-Markt gelingen, sagte Chefin Melody Harris-Jensbach. „Unsere Wettbewerber haben ein großes Geschäft in den USA, wir wollen dort langfristig stark zulegen.“ Der amerikanische Sportmarkt sei hart umkämpft, „aber nicht gesättigt“.
Der Outdoor-Hersteller mit Sitz in Idstein nahe Frankfurt könne in den USA mit europäischem Image und englischen Markennamen punkten, meinte die Managerin. In den USA werde oft viel Wert auf Style gelegt, Jack Wolfskin wolle das deutsche Qualitätsversprechen betonen.
Auch die harte Konkurrenz durch einheimische Marken scheut die Chefin nicht: „Wir sind preislich auf Augenhöhe mit The North Face und Patagonia“. Columbia sei günstiger. In den USA erzielt Jack Wolfskin erst einen Bruchteil der Erlöse. „Wir machen insgesamt 40 Prozent unseres Umsatzes im Ausland, das soll mehr werden.“
Callaway hatte Jack Wolfskin zu Jahresbeginn für 418 Millionen Euro gekauft. Die Amerikaner haben so ihr Portfolio rund um Golfbälle, Schläger und Taschen mit der Outdoor-Kleidung von Jack Wolfskin erweitert. Und ergänzen Callaway auch geografisch: Während die Amerikaner in den USA und Japan stark vertreten sind, machen die Deutschen mit der Tatze im Logo ihre Geschäfte vor allem in Europa und China.
Die Übernahme sei eine große Chance für Jack Wolfskin, sagte Harris-Jensbach. „Alleine könnten wir den Eintritt in die USA nicht stemmen.“ Mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro 2018 sind die Amerikaner gut drei Mal so groß wie die Deutschen. Auch in Japan erhofft sich Harris-Jensbach Chancen – mit einem Schwerpunkt auf teureren Produkten.
In den Jahren des Outdoor-Booms war Jack Wolfskin schon nach China expandiert. Zwischen 2006 und 2010 wuchsen die Hessen rasant und eröffneten zahlreiche Filialen. Das zog den Finanzinvestor Blackstone an, der viel Geld für die Firma zahlte. Outdoor-Jacken und Bergschuhe entwickelten sich vom Nischenprodukt für Wanderer und Camper zur Alltagsware – bis der Markt gesättigt war und die Konkurrenz groß.
Jack Wolfskin geriet in ernste Schieflage, die Schulden drückten. Der Einstieg einer Gruppe von Finanzinvestoren im Sommer 2017 verschaffte Luft. Sie wandelten Kredite in eine Beteiligung um und wurden Hauptgesellschafter. Jack Wolfskin habe sich von den schwierigen Jahren erholt, sagte die Chefin. „Die Kredite an die Finanzinvestoren haben wir zurückgezahlt und 2018 Gewinn geschrieben.“
Der Firma mit 1200 Mitarbeitern kommt zugute, dass Outdoor bei jungen Menschen im Trend liegt. Viele posten Fotos von Roadtrips in soziale Netzwerke. Ein frisches Image kann die Firma gebrauchen: Rentner und Hundebesitzer, die in Funktionsjacken spazieren gehen, haben der Marke ein biederes Image eingebrockt.
