IFFENS - Hinter dem alten Cornelius-Hof in Stollhammerdeich blüht auf 27 Hektar der Raps. Der Augustgrodener Unternehmer Björn Thieling hat ihn ansäen lassen, um Saat-

raps zu gewinnen. Dabei unterstützen ihn vier Millionen ebenso fleißige wie kostenlose Helfer: Bienen.

Vier Wochen Blüte

Die Imkervereine Butjadingen und Brake sind hier vor anderthalb Wochen mit insgesamt 80 Völkern zu je 50 000 Bienen angewandert. „Es ist das erste Mal, dass wir unsere Völker bei der Erzeugung von Saatgut einsetzen“, sagt Henning Wessels, der Vorsitzende des Imkervereins Butjadingen. Zusammen mit seinen Vereinskollegen Carsten Läßig, Horst Kohlrenken, Theo Büsing, Fritz Stührenberg und Horst Hasberg hat er hier auch selbst Völker stehen.

„Konsumraps braucht keine Bienen“, erklärt Gerriet Gerken, der bei Björn Thieling für die Ackerflächen zuständig ist. „Denn bei Konsumraps trägt jede Pflanze männliche und weibliche Pollen.“


Hinter dem Cornelius-Hof wird Hybridraps angebaut. Das Wort Hybrid bedeutet, dass dieser Raps aus verschiedenen Zuchtlinien besteht, die immer weiter verfeinert worden sind – und zwar so lange, bis kein männlicher Pollen mehr übrig war. Weil aber ohne männlichen Raps der weibliche nicht bestäubt werden kann, haben Thielings Leute zunächst eine Spur männlichen Raps gesät, dann einen Meter Freiraum gelassen, und dann drei Spuren weiblichen Raps in die Erde gebracht. Es folgt ein Meter Freiraum und dann wieder eine Spur männlicher Raps – und so weiter. Dafür wurden zwei Sämaschinen gebraucht – eine für den weiblichen und eine für den männlichen Raps.

Damit der männliche Raps den weiblichen bestäuben kann, brauchen Thielings Leute die Bienen. Sie fliegen zwischen den Blüten und besorgen die Fortpflanzung. In zweieinhalb Wochen wird die Blüte vorbei sein, dann hat der männliche Raps seinen Zweck erfüllt. Er wird zu Mulch weiterverarbeitet, sagt Gerriet Gerken. Der weibliche Raps, er macht ungefähr 60 Prozent der Fläche aus, wird im August geerntet, gedroschen und dann an die Firma Meiners-Saatgut in Dünsen bei Harpstedt abgegeben, in deren Auftrag Björn Thieling das Rapsfeld bestellt hat. Meiners wiederum gibt den Saat-

raps an die Weltfirma Pioneer weiter.

Gerriet Gerken erwartet 20 bis 25 Doppelzentner Saat-

raps pro Hektar. Bei Konsumraps sind 40 bis 50 Doppelzentner pro Hektar drin. Rund 200 Hektar Raps werden in Butjadingen angebaut, schätz Gerriet Gerken.

Drei Völker pro Hektar

Die Imker setzen in Stollhammerdeich deutlich mehr Bienen pro Hektar ein als sonst – nämlich drei Völker pro Hektar. Das wünscht die Firma Meiners, damit die Bestäubung gesichert ist. Der Ertrag entspricht bisher dem der üblichen Rapsfelder, sagt Henning Wessels. Er rechnet mit 20 Kilogramm Honig pro Volk – insgesamt also mehr als anderthalb Tonnen Honig von Björn Thielings Saatrapsfeld.

Nach der Blüte werden die meisten Imker ihre Bienenvölker aus Stollhammerdeich abziehen und ihre üblichen Stände anwandern – Henning Wessels also die Moorseer Mühle und die Atenser Kleingartenanlage Naturglück. Nur ein Imker aus dem Ammerland bleibt in Stollhammerdeich. Seine Bienen sollen sich im Deichvorland ernähren, wo es zu blühen beginnt, wenn der Raps seine schönste Zeit hinter sich hat. Nicht nur Henning Wessels ist gespannt darauf, wie der Salzwiesenhonig schmeckt.