IFFENS/NORDENHAM - So könnte das Labor eines Professors aussehen, der im stillen Kämmerlein experimentiert, in der Hoffnung auf den Bahn brechenden wissenschaftlichen Durchbruch. Von einem stillen Kämmerlein ist das chemische Labor der Umweltstation Iffens allerdings weit entfernt. Und Dr. Wolfgang Meiners gehört nicht zu den Wissenschaftlern, die gerne alleine vor sich hin tüfteln. Er genießt die Gesellschaft der jungen Männer und Frauen, die bei ihm die Grundlagen für ihre chemische Ausbildung lernen.

Seit fünf Jahren beginnt die Lehre der Azubis von Kronos Titan und von Xstrata mit einem siebenwöchigen Grundkurs. Und der findet nicht in der Berufsschule oder in den Werken statt, sondern in der Abgeschiedenheit eines ehemaligen Butjenter Bauernhofs, der gleichwohl mit allem ausgestattet ist, was ein Chemiker benötigt.

Drei Azubis von Kronos Titan und zwei von Xstrata haben ihre Chemikanten-Lehre begonnen. In den ersten sieben Wochen bekommen sie eine sehr praxisbezogene Einführung vom erfahrenen Chemiker Wolfgang Meiners. Tobias Peuker zum Beispiel ist gerade dabei den Widerstand von Wasser bei verschiedenen Temperaturen zu messen. Und so beschäftigt sich jeder der Auszubildenden in diesem Gewirr aus Schläuchen, Reagenzgläsern und Messgeräten mit einem ganz bestimmten Thema. Mit dabei sind auch eine Praktikantin und eine junge Frau, die in Iffens ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert.

Rund 100 Versuche aus der organischen und der anorganischen Chemie werden innerhalb der sieben Wochen vorgenommen – „eng angelehnt an das, was in der beruflichen Praxis passiert“, sagt Wolfgang Meiners. Er schaut den jungen Leuten über die Schulter, gibt Tipps und Erklärungen. Eine so intensive Betreuung ist weder in der Berufsschule noch in den Werken möglich. „Die Betriebe hätten es eigentlich nicht nötig, ihren Auszubildenden so etwas zu bieten“, sagt Wolfgang Meiners. Aber sie profitieren natürlich davon. Denn nach sieben Wochen müssten die Grundlagen sitzen. Und die reichen vom Filtrieren, Erhitzen, Kühlen bis zum Extrahieren und vielen weiteren Verfahren. „Das sind Techniken, die in der Praxis gebraucht werden“, betont der Chemiker. Einen großen Stellenwert hat bei der Einführung aber auch die Dokumentation der Versuche.

Weitere Aspekte des Berufsalltags, die nach den Worten von Wolfgang Meiners sehr ernst genommen werden, sind die Arbeitssicherheit, der Umweltschutz und die Müllentsorgung. Hinzu kommt, dass die Azubis die Möglichkeit haben, über den Tellerrand ihre Ausbildungsbetriebe zu schauen. So stand auch ein Besuch der Stahlwerke Bremen auf dem Stundenplan.


Bei den Auszubildenden kommt die Intensivbetreuung jedenfalls sehr gut an. Vor allem der hohe Praxisanteil gefällt ihnen, obwohl nicht alle Experimente wie gewünscht klappen. So scheiterte unlängst der Versuch, Apfelwein zu destillieren. „Das Zeug war einfach ungenießbar“, erinnert sich Wolfgang Meiners mit Grausen.